Südsudan vor dem Abgrund: Grenzen der Machbarkeit

Kommentar20. Dezember 2013, 18:50
5 Postings

Ein Staat ist nicht von außen zu machen

Es lohnt sich, die Homepage von Unmiss aufzusuchen, der Uno-Mission in der Republik Südsudan: Mehr als 7500 Uniformierte (Soldaten und Polizisten) hat die Uno dort eingesetzt, dazu kommen rund 850 zivile Mitarbeiter und hunderte "Freiwillige". Für ein Land mit elf Millionen Einwohnern ist das eine sub­stanzielle Mission – die das enorme Engagement der internationalen Gemeinschaft reflektiert. Keine internationale Hilfsorganisation von Rang, die im Südsudan nicht vertreten wäre.

Ohne in Verschwörungstheorien zu verfallen, kann man sagen, dass die Unabhängigkeit des ölreichen Südsudan im Juli 2011 auch ein internationales Projekt war. Die – durch die britische Kolonialpolitik mitverschuldete – Auseinanderbewegung der beiden Teile des Sudan, die jahrzehntelang in einem schrecklichen Krieg lagen, war ein Geschenk für westliche Strategen, die einen Ankerplatz in Afrika suchten. Dafür gab es regionale Gründe – wie das sudanesische Regime von Omar al-Bashir –, aber auch globale: den wachsenden chinesischen Einfluss auf dem Kontinent.

Die Fragilität des Südsudan und dessen Abhängigkeit sollten den Vorteil von leichter Einflussnahme haben, um das Staatswesen auf die Beine zu stellen. Von so viel Hilfe können andere Staaten – etwa die des Arabischen Frühlings – nur träumen. Aber es funktioniert trotzdem nicht, der Südsudan zeigt die Grenzen der internationalen Machbarkeit. Ein Staat ist nicht von außen zu machen. (DER STANDARD, 21.12.2013)

Share if you care.