Empfunden, nicht gedacht

20. Dezember 2013, 18:41
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Neugierde, Hang zum Experiment und eine Tendenz zum sinnlich-plastischen Ausdruck: Karl Ritter im dreitägigen Porgy & Bess-Porträt

Wien – Er ist der Musikant unter den Klangforschern der heimischen Szene. Karl Ritter verbindet musikalische Neugierde, den Hang zum Experiment, mit der Tendenz zu sinnlich-plastischem Ausdruck.

Jeder einzelne Klang, sei er Konsonanz, Dissonanz oder Geräusch, wird mit praller Energie, mit Bedeutung aufgeladen. Wirkt selbst im schrägsten, lärmigsten Moment empfunden, nicht gedacht.

Das ist die Konstante, die sich durch die verschiedensten Projekte zieht, die der aus Stockerau stammende und in Stockerau lebende Gitarristen-Freigeist betreibt: Sei es als Solist, als der er bereits 2004 die großartige Solo-CD Atmen veröffentlichte, die den heute 54-Jährigen als spannenden, trashig-bluesigen Geschichtenerzähler zeigt. Sei es im der spontanen Wort-Klang-Assoziation gewidmeten Trio "Weisse Wände" mit Text-Improvisator Christian Reiner und Schlagzeuger Herbert Pirker. Sei es im neuesten Band-Unternehmen "Soundritual", in dessen Rahmen Ritter mit prominenter MusikerInnen-Entourage – u. a. Sängerin Susanna Ridler und Bassist Peter Herbert – an vielschichtigen, Ambient-orientierten Drone-Strukturen arbeitet.

All diese Projekte sind ab Samstag im Rahmen der dreitägigen Karl-Ritter-Personale im Porgy & Bess zu vernehmen, wo außerdem neue, spannende Besetzungen zu entdecken sind: Etwa eine „Soundritual"-Version mit der jungen korsischen Vokalistin Battista Aquaviva (22. 12.), deren Stimme bis ins Flageolettregister reicht. Oder eine Kooperation mit den stoasteirisch murmelden Punk-Trash-Guerilleros von Koenigleopold alias Lukas König und Leo Riegler (23. 12.). Ach ja, da war noch etwas: War Karl Ritter nicht einmal für einen gewissen Kurt Ostbahn tätig? Stimmt, aber das ist mittlerweile lange her. Ritter selbst pflegt dazu zu sagen: "Ich mache ja schon seit vielen Jahren meine eigenen Sachen. Der Ostbahn-Kurti ist mir eigentlich nur passiert." (Andreas Felber, DER STANDARD, 21./22.12.2013)

21.-23. 12., 20.30, Porgy & Bess, 1., Riemergasse 11, 01/512 88 11, www.porgy.at

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    foto: lukas beck
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