Investmentbanking boomt trotz Strafen

20. Dezember 2013, 18:24
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Das Geschäft an den Kapitalmärkten läuft so gut wie seit dem Vorkrisenjahr 2007 nicht mehr. Investmentbanken wagen sich in immer riskantere Deals

London/Wien - Die Investmentbanken haben 2013 wieder kräftig verdient. Mit Anleihenplatzierungen, Aktienemissionen und riskanten, stark fremdkapital-finanzierten Deals (Leveraged Finance) haben die Institute global 72,6 Milliarden Dollar eingenommen, so viel wie seit dem Vorkrisenjahr 2007 nicht. Das zeigen Zahlen von Finanzdatendienst Dealogic, die dem Standard vorliegen. Die US-Banken sind sogar in Reichweite ihrer Vorkrisenumsätze im Investmentgeschäft (36 Mrd. Dollar 2013 vs. 36,4 Mrd. im Jahr 2007).

Gerade in den USA haben die besonders riskanten Geschäfte kräftig zugenommen, bei dem Unternehmenskäufe mit hohem Schuldenanteil finanziert werden. Etwa wenn Private-Equity-Fonds mit viel Fremdkapital Firmen aufkaufen. Ein immer größerer Teil der Kredite werde "cov-lite" vergeben, ohne die üblichen Sicherheiten für die Geldinstitute.

Dazu kommt die Wiederauferstehung hochkomplexer Verbriefungsdeals. Die in der Krise berüchtigt gewordenen Konstrukte sorgen bei Investoren für Nachfrage und bei Investmentbanken wieder für Umsätze. 2013 wurden mehr CLOs, verbriefte Kreditportfolios, strukturiert, als die letzten vier Jahre zusammen. Selbst in besonders exotischen Teilen des Kapitalmarktes, etwa bei synthetischen CDOs (Collateralized Debt Obligation), hoffen große Wallstreet-Banken auf eine Erholung. Institute wie Citigroup haben wieder Positionen in diesem Bereich ausgeschrieben.

Weiteres Wachstum erwartet

Analysten erwarten offenbar, dass es in dieser Tonart weitergeht. Die Analysten von Morgan Stanley rechnen auch für 2014 ein Wachstum von acht Prozent bei den Einnahmen im Investmentgeschäft für die global aufgestellten Geldhäuser vor. Die Sparte dürfte auch 2015 stärker wachsen als das klassische Spar- und Kreditgeschäft, erwarten die Analysten rund um Betsy Graseck. Die US-Aufsichtsbehörden rund um die Notenbank Fed haben in der Vergangenheit kritisiert, das rasante Wachstum bei schuldenfinanzierten Übernahmen und exotischen Nischen des Kapitalmarktes stelle ein Risiko für die finanzielle Sicherheit dar.

Risiken und Strafen steigen

Die Investmentbanken bedienen dabei die Nachfrage von Investoren wie Pensionsfonds, höher verzinste Wertpapiere angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase zu finden. Hochzinsanleihen und Unternehmensschulden von Firmen mit schwacher Bonität sind 2013 auf den höchsten Stand aller Zeiten gestiegen, zeigen Daten von Dealogic. Afrikanische Länder wie Mosambik, Kenia oder Sambia haben Schuldendebuts am internationalen Kapitalmarkt hingelegt und erfolgreich Anleihen platziert.

Dass es für viele Banken dennoch ein turbulentes 2013 war, liegt nicht zuletzt an milliardenschweren Strafzahlungen, die nach zahlreichen Skandalen fällig geworden sind. Die US-Großbank JPMorgan musste etwa im November 13 Milliarden Dollar für einen Vergleich mit US-Behörden zahlen, die die Rolle des Geldhauses beim Verkauf von maroden Hypothekenpapieren unter die Lupe genommen hatten. Für ähnliche Praktiken beim Verkauf von verbrieften Immobilienpapieren hat sich die Deutsche Bank am Freitag auf eine Vergleichszahlung von 1,4 Milliarden Euro mit US-Behörden geeinigt. Gerichtskosten sind 2013 aber auch bei anderen Banken in die Höhe geschossen, etwa wegen des Skandals um manipulierte Referenzzinsen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 21.12.2013)

  • Die US-Investmentbanken verdienen wieder so viel wie vor der Krise.
    foto: reuters

    Die US-Investmentbanken verdienen wieder so viel wie vor der Krise.

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