Privatuni mit staatlichem Know-how

23. Dezember 2013, 13:42
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Die Med-Uni Wien ist Gesellschafter der Karl-Landsteiner-Privatuni und stellt 100.000 Euro Stammkapital zur Verfügung

Wer in Österreich Medizin studieren will, hat die Wahl zwischen den staatlichen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck. Der Andrang ist groß, österreichische wie deutsche Studenten drängen auf die wenigen Studienplätze.

Doch nun gibt es eine Möglichkeit mehr: Anfang Dezember hat die Karl-Landsteiner-Privatuniversität (KLPU) in Krems ihre Akkreditierung erhalten und darf damit akademische Studien anbieten: Humanmedizin, Psychotherapie und Neurorehabilitationswissenschaften kann man an der Universität für Gesundheitswissenschaften in Krems studieren. 14.000 Euro kostet das Studium pro Jahr. Wer die Studiengebühren nur schwer aufbringen kann, hat die Möglichkeit, ein Stipendium zu beantragen. Unter anderem wird Studenten mit aufrechtem Wohnsitz in Niederösterreich die Hälfte der Studiengebühren erlassen (derStandard.at berichtete), was der Verfassungsjurist Heinz Mayer als "EU-rechtswidrig" bewertet, weil es dem "Prinzip der Ansässigkeit" widerspreche.

Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, will die Landesregierung zudem auch Darlehen von KLPU-Absolventen fördern, sofern sie sich in Niederösterreich ärztlich niederlassen oder in einem Krankenhaus der Landeskliniken arbeiten. Auch das sei juristisch nicht unbedenklich, da nur Absolventen einer bestimmten Universität gefördert werden, so Mayer.

Ärztekammer fordert bessere Arbeitsbedingungen

Für die niederösterreichische Ärztekammer ist "grundsätzlich jede Maßnahme zu begrüßen, die dem Ärztemangel entgegenwirkt", sagt die Pressesprecherin Birgit Jung. "Wir freuen uns über jeden Arzt, der sich in Niederösterreich niederlässt." Wünschenswert wäre es aber, die Arbeits- und Rahmenbedingungen so attraktiv zu gestalten, dass man Ärzte nicht mit Geldanreizen in die Region locken müsse, so die Kammersprecherin.

Weil Privatuniversitäten vom Bund kein Geld erhalten dürfen, musste die KLPU eine Gesellschaft gründen. Gesellschafter sind die MedUni Wien, die Donau-Uni Krems und die Fachhochschule Krems. Die Wiener Medizin Uni ist zu 50 Prozent beteiligt:  Warum sich eine staatliche Universität, die mit budgetären Engpässen zu kämpfen hat, an einer privaten Medizin Uni mit 100.000 Euro Stammkapital beteiligt, ist auf den ersten Blick nicht klar.

Wolfgang Schütz, Rektor der Med-Uni Wien, kann trotzdem Vorteile erkennen. "Die Med-Uni Wien hat mit der Beteiligung die Chance ergriffen, ihr Know-how bei der Gestaltung eines international ausgerichteten Curriculums nach der Bologna-Architektur einzubringen." Ein vergleichbares Studium gebe es an einer staatlichen Medizin-Uni derzeit nicht. Der konkrete Mehrwert bestehe sowohl in der Bereitstellung als auch im Sammeln von Know-how, da auch für Wien eine Umwandlung in eine Universität für Gesundheitswissenschaften nach Bologna-System denkbar wäre. Das Geld für das Stammkapital muss die Wiener Med-Uni aber über private Mittel (Drittmittel) aufstellen.

Ob es Überschneidungen bei der Lehre gibt, ist noch unklar. Grundsätzlich gelten laut Rektorat für die Mitarbeiter der Med-Uni Wien klare Regelungen über ihre Nebenbeschäftigungen, inwiefern sich das auf eine Kooperation mit der KLPU auswirkt, ist aber noch nicht festgelegt. 

Keine Angst um Unabhängigkeit

Weil es eben keine finanzielle Unterstützung vom Bund gibt, finanziert sich die KLPU aus Studienbeiträgen und ist auf Sponsoren angewiesen. Angst um die Unabhängigkeit der Universität hat Rektor Rudolf Mallinger nicht: "Da müsste jede medizinisch tätige Institution diese Angst haben. Über klinische Studien werden sämtliche Krankenhäuser von Pharmafirmen mitgesponsert."

Den Vorteil einer privaten Universität sieht Mallinger in der Flexibilität. Außerdem basiert die KLPU auf dem Bologna-System. Das teilweise umstrittene Bachelor-Master-System sieht er als Vorteil, da Studenten des Bachelor-Lehrgangs nach der dreijährigen Ausbildung auch noch andere Studienrichtungen einschlagen können. An der Ausbildungsdauer ändert es aber nichts: "Arzt wird man nach sechs Jahren", sagt Mallinger. Ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz übe nach dem Studium den Arztberuf nie aus, dem könne man entgegenwirken, indem man ein flexibles System anbiete. Aber nicht jeder kann an der KLPU studieren. Ähnlich wie an den staatlichen Universitäten gibt es auch hier einen schriftlichen Eignungstest, der kognitive Fähigkeiten abprüft. Mallinger verteidigt den Test, der am umstrittenen Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) angelehnt ist, als Überprüfungskriterium, ob jemand ein guter Student ist. "Es gibt weltweit kein Verfahren, das verlässlich voraussagt, ob jemand für den Arztberuf geeignet ist. Das Aufnahmeverfahren sei aber zweistufig: Mithilfe von Interviews können auch die sozialen Kompetenzen der angehenden Ärzte überprüft werden.

Die Kremser Uni ist nicht die einzige private Med-Uni in Österreich. Auch in Salzburg gibt es an der Paracelsus-Uni die Möglichkeit, Medizin privat zu studieren. Vor kurzem wurde auch eine – staatliche – Medizinfakultät für Linz beschlossen, mit dem Argument, dem drohenden Ärztemangel entgegenwirken zu wollen. (mte, derStandard.at, 23.12.2013)

  • Die Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems ist nach dem Entdecker der Blutgruppen benannt. Auch die Med-Uni Wien ist daran beteiligt und möchte Know-how zur Verfügung stellen und auch von der Kooperation profitieren.
    foto: dapd/gabbert

    Die Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems ist nach dem Entdecker der Blutgruppen benannt. Auch die Med-Uni Wien ist daran beteiligt und möchte Know-how zur Verfügung stellen und auch von der Kooperation profitieren.

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