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20. Dezember 2013, 18:17
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Huch! - Agatha Christies "Die Mausefalle" in den Wiener Kammerspielen

Wien - Agatha Christies Die Mausefalle wird seit 61 Jahren in einem Londoner Westend-Theater gespielt. Es ist nicht bekannt, ob die Wiener Kammerspiele eine ähnlich lange Spielserie ins Auge gefasst haben. Es wäre nicht auszudenken. 2074 kommen SPÖ und ÖVP zusammen auf kaum mehr als sieben Prozent der im Nationalrat vergebenen Mandate. Sebastian Kurz wäre ein sabbernder Greis! Folke Brabands Inszenierung bemüht sich schon jetzt nach Kräften um Haltbarkeit. Sie zitiert die Ästhetik des Kinokrimis. Keine Schattierung zwischen Maus, Taube, Grabstein oder Blei, die in der etwas langatmigen Aufführung nicht Verwendung fände.

Die Herren tragen in der Pension des Ehepaars Ralston Anzugsstoffe, allein von deren Betrachtung man einen üblen Juckreiz bekommt. Es wird klar: Das britische Empire war in den 1940er-Jahren zum langsamen Absterben verurteilt. Vor dem Fenster rieselt der Schnee in dicken Daunen (Ausstattung: Stephan Dietrich). Der Schürhaken im Ofen besitzt nur als potenzielle Mordwaffe Wert. Der älteste Pensionsgast ist eine keifende Lady (Marianne Nentwich). Sie beißt vielleicht aus Opportunitätsgründen als Erste ins Gras. Ein schusseliger Inspektor hält Hof (Martin Zauner). Jeder verdächtigt hier jeden. Wer der Mörder ist, darf an dieser Stelle (wie immer) nicht verraten werden. Es ist nicht der Gärtner. Ein solcher spielt aber auch nicht mit.

Der Sinn der Unternehmung erschließt sich nicht. Anwandlungen von Exzentrizität (Heribert Sasse) werden von der Regie im Keim erstickt. Von dicken Schichten Schminke entstellt, erstarren die Mimen in wenigen Gesten und Haltungen. Nach Catch Me If You Can der nächste Ausflug ins Kinofach. Wie wäre es zur Abwechslung mit einem "Giallo"? Jemand inszeniert in den Kammerspielen Suspiria von Dario Argento und "ermordet" echte Elevinnen des Wiener Staatsballetts!? (Ronald Pohl, DER STANDARD, 21./22.12.2013)

  • Wer war's? Marianne Nentwich (li.) und Alexandra Krismer.
    foto: apa/hans klaus techt

    Wer war's? Marianne Nentwich (li.) und Alexandra Krismer.

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