Games graben Filmen das Wasser ab

2. Jänner 2014, 12:00
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Doch aus der Bedrohung für das Kino könnte eine neue kreative Allianz erwachsen

An allen Ecken und Enden hat die Filmindustrie zu kämpfen: Zuerst kam das Fernsehen als größte Konkurrenz für das Kino, dann das Internet und die Piraterie, dann Social Media. In den vergangenen Jahren hat nun die Spieleindustrie eine Größe erreicht, die in Hollywood die Alarmglocken läuten lassen. Manche sehen in den unterschätzten Games aber auch eine Chance für die schwächelnde Branche.

Riesengeschäft

Während Hollywood 2013 etwa rund 11 Milliarden Dollar (8 Mrd. Euro) an Umsätzen generierte, gehen Schätzungen für den Spielemarkt von mehr als 90 Milliarden (65,5 Mrd.) aus. Allein "Grand Theft Auto V" überschritt binnen drei Tagen die Milliardengrenze, für "Call of Duty: Ghosts" werden ähnliche Zahlen erwartet. Im Vergleich: "Avatar", der erfolgreichste Hollywoodfilm bisher, benötigte 17 Tage für diese magische Marke. Insgesamt spielten überhaupt erst 17 Filme mehr als eine Milliarde Dollar ein.

Viel schwerer wiegt für viele kritische Stimmen aber, dass die Games durchwegs bessere Rezensionen einheimsten als der großteils mediokre Hollywood-Output in diesem Jahr. Die "New York Times" lobte "GTA V" etwa für die hervorragende Spielhandlung, die fiktionale Kohärenz und die starke Fokussierung auf die Charaktere - und das trotz grausamer Gewaltszenen inklusive Folter, die gerade bei Computerspielen stets im Fokus der Kritik stehen.

Hollywoodstars für Videospiele

Diesen Vorwürfen ist Hollywood allerdings ebenfalls oft ausgesetzt - und die ähnliche Orientierung der beiden Märkte zwischen Massenunterhaltung und künstlerischem Anspruch könnte letztendlich auch zu einer fruchtbaren Koexistenz führen. "GTA V" wurde etwa beim "New York Filmfestival" vorgestellt, dazu gab es Diskussionsrunden zu neuen Erzählstrukturen und Spieleentwicklung. Und viele Hollywood-Stars werden mittlerweile für Spielszenen in den Games engagiert.

Die Verwebung funktioniert auch in die andere Richtung, wie Edward Fong zuletzt im "Sydney Morning Herald" ausführte. Der Manager des Spieleentwicklers Ubisoft verwies etwa auf das Spiel zu "Avatar", das den Autoren die Möglichkeit gegeben habe, die Geschichte weiterzuschreiben. "Auf der Leinwand hat man für eine Geschichte meist nur zwei Stunden, in einem Game hat man 30. Das ist für Hollywood ein neues kreatives Feld."

Schnelle Kohle mit billigen Adaptionen ist vorbei

Ubisoft hat der Zeitung zufolge auch eine eigene Abteilung eingerichtet, die erfolgreiche Game-Franchises wie "Assassin's Creed" oder "Splinter Cell" für Hollywood aufbereiten soll. Bisher haben spielebasierte Produktionen wie "Mortal Kombat", "Lara Croft: Tomb Raider", "Resident Evil" oder "Prince of Persia" nicht gerade nachhaltig Spuren hinterlassen. "Die Zeit der schnellen Kohle mit billigen Adaptionen ist definitiv vorbei", so Fong. "Heute wird hier Topqualität gefordert."

Dass sich gewisse Filmemacher (wie Nicolas Winding Refn oder Timur Bekmambetow) stilistisch ohnehin schon Anleihen an einer Spieleoptik nehmen und manche Actionproduktionen wie Michael Bays "Transformers" oder Christopher Nolans "Inception" sich ästhetisch perfekt in das Universum der Games einpassen, spricht für Fongs These eines zunehmenden Verschmelzens der Industrien. Die zuletzt so erfolgreichen Comic-Adaptionen dürften für Hollywood auf jeden Fall ein Ablaufdatum haben. (APA, 2.1.2014)

  • Spiele werden Filmen bei den Produktionsqualitäten immer ähnlicher.
    foto: sony

    Spiele werden Filmen bei den Produktionsqualitäten immer ähnlicher.

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