Verkannter Secessionist

20. Dezember 2013, 17:13
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Überfälliges Werkverzeichnis zu Theodor von Hörmann

Ein kalter, sonniger Wintertag, an dem Eisläufer auf der gefrorenen Thaya ihre Runden drehen und Kinder ihre Schlitten ziehen: ein lebendiges Treiben, das Theodor Hörmann in ungewöhnlichem Detailreichtum schildert. Als das Ledertal bei Znaim betitelte Werk im März 1893 im Künstlerhaus präsentiert worden war, hatte es ob der neuartig-modernen Malweise die Gemüter erregt. 2004 gelangte das Gemälde im Dorotheum zur Versteigerung und rückte vom ehemaligen Skandal- zum Rekordbild auf: 336.000 Euro markieren seither den Höchstwert. Und es repräsentiert ein klassisches Schicksal österreichischer Kunstgeschichte: vom akademischen System wie Kollegen verkannt, von der posthumen Forschung weitestgehend ignoriert und zeitgleich stets im Angebot des heimischen Kunsthandels. 118 Jahre nach Hörmanns Tod, 18 Jahre nach der (vorerst) letzten musealen Würdigung seines Schaffens widmet "im kinsky editionen" dem "ersten Secessionisten" (Hermann Bahr) jetzt das überfällige Werkverzeichnis. (kron, Album, DER STANDARD, 21./22.12.2013)

Marianne Hussl-Hörmann, "Theodor von Hörmann". Hg. v. Im Kinsky. € 69,- / 336 Seiten. Brandstätter, 2013

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