Forscher produzieren salzige Überraschung

19. Dezember 2013, 20:02
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Kochsalz geht "verbotene" Verbindungen ein

Hamburg/Wien - Natriumchlorid (NaCl) klingt für chemisch Unbeleckte gefährlich, ist aber nichts anderes als der wissenschaftliche Name für ganz normales Kochsalz. Seine chemische Zusammensetzung ist denkbar einfach: Je ein Natriumatom (Na) und ein Chloratom (Cl) formen ein würfeliges Salzgitter. Andere Verbindungen der beiden chemischen Elemente sind nach den Regeln der klassischen Chemie verboten.

Unter extremen Bedingungen sieht das jedoch anders aus, wie ein internationales Wissenschafterteam nun im Fachblatt "Science" schreibt. Die Forscher hatte am Deutschen Elektronen-Synchrotron Desy, eigentlich einem Teilchenbeschleuniger, Kochsalz unter 200.000-fachem Atmosphärendruck komprimiert und erhitzt, wobei sie entweder eine Extraportion Natrium oder Chlor mit in die Probenkammer gaben - und erzeugten dabei "verbotene" Verbindungen wie Na3Cl und NaCl3.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Experimente den Blick der Chemie erweitern können. "Ich denke, diese Arbeit ist der Anfang einer Revolution in der Chemie", sagt Ko-Autor Artem Oganov: "Wir haben bereits bei vergleichsweise niedrigen Drücken vollkommen stabile Verbindungen gefunden, die den klassischen Regeln der Chemie widersprechen." Im Zentrum der Erde herrsche ein Druck von 3,6 Millionen Atmosphären, gibt er zu bedenken.

Die Kochsalzexperimente sind damit womöglich erst der Anfang der Entdeckung völlig neuer Verbindungen, so die Forscher: "Wenn dieses einfache System in der Lage ist, sich unter Hochdruck in so eine vielfältige Reihe von Verbindungen zu verwandeln, dann gilt das für andere wahrscheinlich auch." (tasch, DER STANDARD, 20.12.2013)

  • Unter Hochdruck kann gewöhnliches Kochsalz unerwartete Verbindungen eingehen - wie diese hier.
    illu.: artem oganov/weiwei zhang

    Unter Hochdruck kann gewöhnliches Kochsalz unerwartete Verbindungen eingehen - wie diese hier.

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