Beziehungen durch das Hasengitter

19. Dezember 2013, 17:30
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Dorothee Golz hinterfragt auf subtil-ironische Weise die Wahrnehmung von innerer und äußerer Wirklichkeit

Innsbruck - Die Tasse erinnert haargenau an die berühmte Pelztasse von Meret Oppenheim von 1936. Nur dass die pelzige Ummantelung nicht weich, sondern glasfaserscharf ist. Dorothee Golz, die soeben den Preis der Stadt Wien für renommierte Kulturschaffende erhalten hat, greift bewusst Objekte und Gemälde auf, die sich ins kulturelle Gedächtnis eingeprägt haben, und interpretiert sie neu.

Mit der Ausstellung Schlafzimmer und andere Versuchsanordnungen präsentiert die Innsbrucker Galerie im Taxispalais Arbeiten von Golz seit den späten 1990er-Jahren, die ihr bildhauerisches Werk an der Schnittstelle zu Fotografie und Zeichnung zeigen.

Denn in der Fotografie holt die 1960 in Mühlheim an der Ruhr geborene Künstlerin Bekanntes in die Gegenwart und macht aus diesem schnellen Medium ein langsames: In aufwändig inszenierten Digitalfotografien bedient sie sich bei Gemälden wie Raffaels Madonna im Grünen und lässt nur das originale Gesicht der Madonna stehen. Alles Weitere wird in die Gegenwart übersetzt.

Ein Golden Retriever sitzt neben der Madonna, die in einer Handtasche kramt; im Hintergrund ist die Skyline von Wien zu sehen. Der Gesichtsausdruck ist derselbe geblieben, nur haben sich die Zeiten und Verhältnisse geändert. Dadurch fällt die Sehnsucht der Dargestellten ins Leere.

So wie in Golz' installierten Tischen. Hier werden Tassen und Teller von zarten Eisenstangen gehalten und eine mögliche Zweisamkeit bei Tisch höchst fragil und wie schwebend skizziert. Das erklärt das Interieur eines Schlafzimmers aus Hasengitter und Glasfaserlaminat: Beziehungen als Drahtseilakt. Und so kehren auch die Hohlwelten - mit Luft gefüllte riesige Blasen - das Innenleben zwar nach außen. Jedoch kann man nur in sie hineinsehen, nicht aber in sie eindringen. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 20.12.2013)

Dorothee Golz, "Schlafzimmer und andere Versuchsanordnungen", bis 23. Februar 2014, Galerie im Taxispalais

  • Dorothee Golz vermählt Digitalfotografie mit (alten) Gemälden in der Innsbrucker Galerie im Taxis- palais. Hier: "Maria mit den rotblonden Haaren", 2010.
    foto: galerie im taxispalais

    Dorothee Golz vermählt Digitalfotografie mit (alten) Gemälden in der Innsbrucker Galerie im Taxis- palais. Hier: "Maria mit den rotblonden Haaren", 2010.

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