"Call of Duty": Ist der König der Shooter reif für die Thronablöse?

19. Dezember 2013, 14:18
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Activisions Cashcow verzeichnet Umsatzeinbrüche und kann auch bei Kritikern immer weniger punkten

Die Shooter-Serie "Call of Duty" ist auch 2013 das bestverkaufte Shooter-Franchise, der jüngste Ableger "Call of Duty: Ghosts" wird jedoch nicht an die Popularität seiner Vorgänger heranreichen. Davon geht zumindest das Marktforschungsunternehmen Cowen & Company aus. Den Berechnungen der Analysten zufolge liegen die Verkaufszahlen im Vergleichszeitraum 19 Prozent hinter jenen der 2012er Ausgabe "Call of Duty: Black Ops 2" und 36 Prozent hinter den Absätzen des 2011er-Hits "Call of Duty: Modern Warfare 3".

Starke Konkurrenz

Viele externe Faktoren könnten sich negativ auf das Geschäft ausgewirkt haben. Einerseits ist mit "Grand Theft Auto 5" heuer ein absoluter Ausnahme-Hit erschienen, der die Aufmerksamkeit und das Unterhaltungsbudget vieler Konsumenten auf sich gezogen hat. Andererseits erschien fast zeitgleich zu "Ghosts" der Genrekonkurrent "Battlefield 4". Positiv hätte sich wiederum der Marktstart der neuen Konsolen PlayStation 4 und Xbox One auswirken können - "Call of Duty" ist auf allen aktuellen Systemen verfügbar. Cowen & Company schließen jedoch nicht aus, dass trotz des Hypes um die Sonys und Microsofts neue Systeme "Ghosts" sich schlussendlich ganze 20 bis 25 Prozent schlechter absetzen könnte, als der vorangegangene Titel. Herausgeber Activision selbst warnte seine Anleger, dass der Generationwechsel für ein schlechteres Ergebnis sorgen könnte.

Kein Medienliebling mehr

Abseits dieser Variablen kann sich die Serie heuer mit "Ghosts" nicht mit den Loorberen vergangener Jahre schmücken. Dem Rezensionsportal Metacritic zufolge rangiert das Spiel je nach Plattform bei Durchschnittswertungen von 66/100 Punkten (PC) und 78/100 Punkten (PS4). "Black Ops 2" (2012) schaffte im Schnitt Wertungen zwischen 74/100 Punkten (PC) und 83/100 Punkten (Xbox 360). "Modern Warfare 3" lag bei 78/100 Punkten (PC) und 88/100 Punkten (PS3). Das legt den Verdacht nahe, dass sich nicht nur bei den Konsumenten, sondern auch bei den Kritikern langsam aber sicher Übersättigungserscheinungen bemerkbar machen. Seit "Call of Duty 2" (2006) kam jedes Jahr eine neue Iteration heraus und machte dabei zahlreiche Kulissenwechsel vom Zweiten Weltkrieg bis zur Zukunft durch. Das Gameplay und die dahinterstehende Technik wurden laufend überarbeitet, jedoch nie einer grundlegenden Revision unterzogen. Den Höhepunkt erzielte die Serie bei Kritikern im Jahr 2009 mit "Modern Warfare 2", das eine Durschnittswertung von 94 Punkten (Xbox 360) für sich verbuchen kann.

Zeit für eine Ablöse

Dass nach zehn Hauptwerken und weiteren Ablegern in elf Jahren irgendwann die Luft draußen sein muss oder zumindest keine Begeisterungsstürme für mehr vom Gleichen zu erwarten sind, weiß auch Hersteller Activision selbst. Einerseits arbeiten die drei "Call of Duty"-Studios Infinity Ward, Treyarch und Sledge Hammer an frischen Ansätzen, andererseits investiert der Konzern massiv in sein neues Shooter-Franchise "Destiny", das von "Halo"-Erfinder Bungie entwickelt wird. Activision sicherte sich auf zehn Jahre die exklusiven Vertriebsrechte und hat im Gegenzug die Zusage zu mehreren Teilen erhalten. Ob "Destiny" das zweite große Shooter-Standbein für Activision sein kann, wird sich kommendes Jahr zeigen. Das Sci-Fi-Spektakel erscheint im September. Ebenso spannend zu beobachten sein wird, ob man den Negativtrend von "Call of Duty" drehen können wird. (zw, derStandard.at, 19.12.2013)

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