Culinary Misfits: Wenn Außenseiter auf dem Teller landen

19. Dezember 2013, 14:00
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Ein Berliner Catering inszeniert den Makel als begehrenswert: Beschädigtes Gemüse, altes Brot und herrenloses Obst findet so doch noch auf die Teller

Drei Beine, fleckige Haut und krumme Haltung: Viele Exemplare von unterschiedlichen Gemüsesorten landen daher nicht im Supermarkt, sondern im Müll. Eine Cateringfirma aus Berlin nutzt genau diese Makel im Firmennamen: "Culinary Misfits" beliefern Feste mit Bioessen, das meist aus Nutzpflanzen besteht, die wegen ihrer nicht normgerechten Form keinen Platz im Handel finden. Das Motto lautet: "Esst die ganze Ernte!"

Schräg und köstlich

Denn in der EU werden jedes Jahr 230 Millionen Tonnen Obst, Gemüse und Getreide produziert. Doch 100 Millionen Tonnen bleiben gleich auf dem Acker liegen oder werden höchstens an Tiere verfüttert. Ein aktueller Bericht der UNO liefert ähnliche Zahlen: Demnach landen in industrialisierten Ländern 46 Prozent der angebauten Lebensmittel "auf dem Müll" oder zumindest nicht in menschlichen Mägen.

Dabei handelt es sich meist einfach um natürlich gewachsenes Gemüse. Karotten umwinden sich zum Beispiel gegenseitig, wenn sie zu nahe aneinander wachsen oder verzweigen und bilden mehrere "Beine", wenn sie beim Wachsen in den Boden auf Hindernisse stoßen. Obwohl sie dadurch noch genießbar sind, werden sie den Bauern nicht mehr abgenommen.

Die zwei Catering-Gründerinnen Lea Brumsack und Tanja Krakowski wollen auf diese alltägliche Verschwendung aufmerksam machen, aber nicht mit dem Zeigenfinger auf die Leute zugehen. Das Schräge, Buckelige, Knollige wird vielmehr begehrenswert inszeniert. Die vegetarischen Gerichte, die von Culinary Misfits angeboten werden, tragen passende Namen wie "Gespaltene Kohlrabi-Suppe mit herrenlosem Apfel-Joghurt".

Geschäftsmodell für Ausschussware

Die Betreiberinnen greifen auch auf Brot vom Vortrag zurück, um damit Knödelrösti oder Brotsalat zuzubereiten. Denn die Bäcker müssen bis zum Ladenschluss Ware anbieten können, dadurch wird meist zu viel produziert. Obst von herrenlosen Bäumen findet ebenso noch einmal auf die Teller. Es findet alles Verwendung, was beim strengen Casting des Einzelhandels scheitert. (Julia Schilly, derStandard.at, 19.12.2013)

  • Eine Karotte wie diese findet der Konsument kaum im Supermarktregal.
    foto: istock/sveta

    Eine Karotte wie diese findet der Konsument kaum im Supermarktregal.

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