Zahl Jugendlicher in U-Haft gesunken

18. Dezember 2013, 18:35
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Einzelfallbesprechungen greifen - Taskforce-Bericht ist öffentlich, wurde aber nicht präsentiert

Wien - Groß angekündigt, viel diskutiert und lang erwartet war er, der Endbericht der von Ex-Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) ins Leben gerufenen Taskforce Jugend-U-Haft. Diese war gegründet worden, nachdem im Sommer über sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen unter inhaftierten Jugendlichen berichtet wurde.

Im Oktober tagte der mit Ministerialbeamten, Jugendrichtern, Staatsanwälten, der Polizei, Kinder- und Jugendwohlfahrt und -anwälten, Experten aus der Schweiz und anderen besetzte runde Tisch zum letzten Mal. Ein Monat später erfolgte die Bericht-Übergabe an Karl. Und zwar in bemerkenswerter Stille, wenn man diese mit der medialen und fachinternen Aufregung um die Jugendlichen-U-Haft im Sommer vergleicht. Insider bringen das mit den schon damals kursierenden Gerüchten über eine Ablösung Karls als Ministerin in Verbindung.

"Es hieß, dass an keine Präsentation oder Publikation gedacht sei. Ich fand das schade, denn der Bericht ist wichtig und substanzreich", sagt Nikolaus Tsekas, Leiter des Bewährungshilfe- und Kriminalitätspräventionsvereins Neustart Wien. Überhaupt habe der runde Tisch nennenswerte Verbesserungen eingeleitet, schildert er: "Die Zahl Minderjähriger in Untersuchungshaft ist österreichweit so niedrig wie schon seit Jahren nicht".

In Wien, so Tsekas, seien derzeit nur rund zehn, österreichweit rund 40 Jugendliche wegen Tatverdachts inhaftiert. Gelungen sei dies, weil seit August jeder einzelne Fall im Rahmen von Sozialnetztreffen besprochen werde.

Diese werden auch in dem Bericht empfohlen, der seit zehn Tagen auf der Homepage des Justizministeriums einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Im neuen koalitionären Regierungspakt wiederum ist eine "Prüfung und Umsetzung der Ergebnisse der 'Taskforce Jugendliche'" angekündigt.

"Wir wären bereit, mindestens zehn Jugendliche auf Weisung eines Richters in unterschiedlichen Angeboten aufzunehmen", nahm dies am Mittwoch Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf, beim Wort. Laut Bericht werden diesbezüglich derzeit "mit fünf Einrichtungen Verhandlungen geführt". (Irene Brickner, DER STANDARD, 19.12.2013)

  • Jugendliche sollen so selten wie möglich in U-Haft sitzen. SOS-Kinderdorf bietet zehn Betroffenen Aufnahme an.
    foto: der standard/heribert corn

    Jugendliche sollen so selten wie möglich in U-Haft sitzen. SOS-Kinderdorf bietet zehn Betroffenen Aufnahme an.

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