Politik mit unpolitischer Kunst

18. Dezember 2013, 17:32
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Verflechtungen von Politik und Ökonomie sowie abstrakte Kunst als Projektionsfläche: Alessandro B. Yazbeck spinnt ein verschwörerisches Netz aus Calder, Öl und Kaltem Krieg

Wien - "Ich möchte Dinge machen, die lustig anzuschauen sind und keinerlei propagandistischen Wert haben", sagte Alexander Calder (1898- 1976). Oder: "Man kann nicht nur mit Farben und Formen, sondern ebenso mit Bewegungen komponieren." Es ist das Spiel mit Farbe und Form, mit Spannung und Balance, die die Kunst des US-amerikanischen Bildhauers kennzeichnet. Visuelle Merkmale, auf die sich auch die überlieferten Zitate beziehen. Und auch Freunde wie Jean-Paul Sartre sagten, Calders Arbeiten würden nichts bedeuten und bezögen sich auf nichts als sich selbst.

Ein Nichts, auf dem man es nicht beruhen lassen will: Der Abstrakte Expressionismus hat im Hinblick auf den amerikanischen Antikommunismus in der Ära des Kalten Kriegs eine Neubetrachtung erfahren. Als Gegenmodell zum Sozialistischen Realismus konnte sich aber nur eine Kunst funktionalisieren lassen, die unpolitisch war.

Wie ist das also mit der unverdächtigen Kunst eines Calders, der in jener Zeit ebenso präsent wie populär war: Seine Mobiles schmückten Foyers von Hotels, Firmen und Museen - unter anderem auch das Hotel Ávila in Caracas, das John D. Rockefeller, dessen Vermögensbasis der Standard-Oil-Konzern bildete, 1939 errichten ließ. In den 1950er-Jahren gestaltete Calder auch die Decke des großen Auditoriums an der Universität der venezolanischen Hauptstadt - eines Raums, in dem damals auch eine wichtige Konferenz zum Kalten Krieg stattfand.

Für den 1972 in Caracas geborenen Künstler Alessandro Balteo Yazbeck waren dies Ausgangspunkte für eine Indiziensuche zur Verflechtung von Politik, Diplomatie und Kultur jener Zeit. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Öl, denn die USA waren in ihrem außenpolitischen Gebaren stets auf die Ressourcen anderer, etwa Venezuelas und des Iran, angewiesen.

Die Ausstellung in der Galerie Martin Janda zeigt einige dieser Recherchen, Fragmente aus einem, gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Media Farzin 2009 präsentierten größeren Projekt. Fotos, historische Daten, Zitate, modifizierte Calder-Arbeiten streuen lose Fakten, die wohl eine These untermauern, aber mehr als vage bleiben.

Yazbeck selbst beschreibt das als "Kunstgeschichte und Politik in unübliche und absichtlich erzwungene Zusammenhänge" bringen. Die löchrige Machart dieser Gerüchteküche erinnert allerdings eher an das Stricken von Verschwörungstheorien. Für solche komplexen Zusammenhänge scheint die bildende Kunst das falsche Medium zu sein. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 19.12.2013)

Bis 21.12.
Galerie Martin Janda
Eschenbachgasse 11, 1010 Wien
www.martinjanda.at

  • In Alexander Calders Mobile "Cône d'ébène" von 1933 sah mancher einen kriegerischen Vorboten. Alessandro Balteo Yazbeck ergänzt den Kontext: eine Ölpfütze oder, wenn man so will, "Saddam Cloud".
    foto: markus wörgötter / galerie janda

    In Alexander Calders Mobile "Cône d'ébène" von 1933 sah mancher einen kriegerischen Vorboten. Alessandro Balteo Yazbeck ergänzt den Kontext: eine Ölpfütze oder, wenn man so will, "Saddam Cloud".

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