"Saufen nur aus Liebe!"

Ansichtssache18. Dezember 2013, 16:45
18 Postings

Lotte Tobisch fiel zur neuen Regierung also nur Schweigen ein. Mit resignativ-ratlosem Mienenspiel quittierte sie die Frage von Stermann & Grissemann nach ihrer Bewertung der Neuauflage und bescherte der Koalition eine schreckliche Schmach. Niederschmetternd, zumal dieser kurzweilige "Willkommen Österreich"-Gast selbst zu Lugner positive Worte fand.

foto: orf/hans leitner

Bemerkenswert das Sprechloch allerdings auch, da hier ansonsten virtuos die Kunst der heiteren Offenheit zelebriert wurde. Tobisch - ein TV-Profi, der Auskünfte immer mit einer gewissen Unverblümtheit zu würzen versteht; etwa jener, die eigene Vita betreffend, welche frisch im Buch "Langweilig war mir nie" abgehandelt wird.

1
foto: orf/hans leitner

Die Entertainerin offenbarte, dass ihr Leben vor allem aus "Fehltritten besteht". Auch zog sie es vor, sich bei der TV-Jugend nicht als trinkfest anzubiedern: "Ich bin nur aus Liebe bereit zu saufen", klärte sie auf und schilderte die Nebeneffekte ihres Hangs, auch beim Heurigen in Abstinenz zu verharren: "Ich bin eine gefragte Heurigen-Gesellschaft." Es würden viele schätzen, "von jemandem, der nüchtern ist, nach Hause gebracht zu werden". Selbstverständlich nach wie vor mit dem Auto; mit 88 verfügt man über einige Erfahrung.

2
foto: orf/hans leitner

Auch deutete Tobisch ihren alten Spruch vom "beschissenen Opernball" als Folge einer Reporterprovokation und verwahrte sich dagegen, in ihrem Künstleraltersheim Substanzen einziehen zu lassen ("Bei uns braucht man keine Drogen!") - wie auch, bei aller Milde, den Lugner: "Für ihn fände ich etwas, das ihm mehr Spaß macht." So ging das eine bezaubernde Weile weiter; wie gesagt, ohne Worte für die Regierung, die somit ein wirkliches Imageproblem hat. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 19.12.2013)

3
Share if you care.