Was das kristallene Wissenschaftsjahr 2014 bringen wird

31. Dezember 2013, 16:00
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Blick in die Zukunft mit Galileo-Start und dem Weltklimabericht, Blick in die Vergangenheit mit Gedenken an den Ersten Weltkrieg und das Ende einer Spezies

Wien - Unvorhersehbare Ereignisse einmal ausgeklammert, wird das voraussichtliche Wissenschafts-Highlight des Jahres 2014 von der Europäischen Weltraumorganisation ESA beigesteuert: Fast zehn Jahre nach ihrem Start wird ihre Raumsonde "Rosetta" ihr Ziel, den Kometen "Tschurjumow-Gerasimenko" erreichen. Im Jänner wird die Sonde aus ihrem jahrelangen Tiefschlaf geweckt, im Sommer soll sie in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und erstmals einen Kometenkern direkt und über lange Zeit untersuchen, ehe im November ein Landegerät abgesetzt wird. Mit an Bord ist viel Technik aus Österreich.

Ein weiterer Meilenstein für die europäische Weltraumtechnologie betrifft das europäische Satellitennavigationssystem Galileo: Mit mehreren 2014 geplanten Satellitenstarts soll erstmal eine vollständig betriebsbereite Konstellation erreicht werden und Ende des Jahres damit erste Galileo-Dienste bereitstehen.

Wissenschaft und Politik

Weniger Tatkraft, dafür umso mehr Debatten sind bei einem anderen Thema zu erwarten: Nachdem im Herbst 2013 der erste Teil des neuen Weltklimareports vorgelegt wurde, folgen im Frühjahr 2014 Teil zwei und drei und im Oktober der zusammenfassende Bericht des Weltklimarats IPCC. 

Indessen haben die Vereinten Nationen 2014 zum Internationalen Jahr der Kristallographie erklärt, weil "unser Verständnis der materiellen Beschaffenheit der Welt vor allem auf unseren Kenntnissen der Kristallographie gründet". Der Anlass: 1914 wurde der deutsche Physiker Max von Laue für die Entdeckung der Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Erstmals konnte so auf die Kristallstruktur von Materialien geschlossen werden.  Auch in Österreich sind zum Jahr der Kristallographie Veranstaltungen geplant, unter anderem Führungen und Vorträge im Naturhistorischen Museum Wien.

Mit Jahresbeginn 2014 startet auf europäischer Ebene unter dem Titel "Horizon 2020" das neue EU-Forschungsrahmenprogramm. Der mit 80 Milliarden Euro gefüllte Fördertopf für die Jahre 2014 bis 2020 soll die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU durch mehr und bessere Forschung und Innovation stärken. In einer ersten Ausschreibung stehen bis 2015 bereits 15 Milliarden Euro zur Verteilung bereit.

Worauf sich Österreich vorbereitet

In Österreich findet nach einem Jahr Pause wieder eine "Lange Nacht der Forschung" statt. Am 4. April werden Interessierte in allen Bundesländern die Gelegenheit zum direkten Kontakt mit Wissenschaftern und einen Blick in Forschungseinrichtungen, Laboratorien oder Universtäten haben.

Wien wird seinem Ruf als Kongressstadt mit drei riesigen Tagungen gerecht: zum Europäischen Radiologenkongress (6.-10.3.) werden 20.000 Teilnehmer erwartet, zur Generalversammlung der "European Geosciences Union" (27.4.-2.5.) 10.000 Teilnehmer und zum Europäischen Diabeteskongress (15.-19.9.) 18.000 Teilnehmer. Bei weitem nicht so groß und dennoch die bisher weltweit größte Konferenz zum Thema Logik verspricht der "Vienna Summer of Logic 2014" (9.-24.7.) zu werden.

Beim im Aufbau befindlichen Krebstherapie- und -forschungszentrum MedAustron in Wiener Neustadt soll im kommenden Jahr der technische Probebetrieb starten, ehe im vierten Quartal des Jahres 2015 die ersten Patienten behandelt werden können.

Gedenkjahr mit verschiedenen Anlässen

Am großen Thema Erster Weltkrieg hat man sich wissenschaftlich bereits 2013 in mehreren Konferenzen abgearbeitet. 2014 bleibt deshalb Zeit fürs Detail: So widmet sich das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Moskau den Jahren "1914 und 1989 als Klammern des 'kurzen' 20. Jahrhunderts?" (27.-29.3.) und in Kiew der "Ukraine im Ersten Weltkrieg" (3.-4.10.). Für's breite Publikum eröffnet auf der Schallaburg (NÖ) am 29. März die Ausstellung "Jubel & Elend. Leben mit dem großen Krieg"; in Wien gibt es vom Stadt- und Landesarchiv ("Mangel - Hunger - Tod. Die Wiener Bevölkerung und die Folgen des Ersten Weltkrieges") bis zur Nationalbibliothek ("An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914-1918") Ausstellungen mit teils wissenschaftlichem Begleitprogramm.

Am 21. Juni jährt sich der 100. Todestag von Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, am 19. Mai vor 100 Jahren wurde Max Ferdinand Perutz, britischer Chemiker österreichischer Herkunft und Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1962, geboren. Auch die austro-amerikanische Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr wäre am 9. September 100 Jahre alt geworden. Am 26. April jährt sich der 125. Geburtstag von Ludwig Wittgenstein, am 27. Februar der 25. Todestag von Konrad Lorenz, am 17. September der 20. Todestag von Karl Popper, am 23. September der 75. Todestag von Sigmund Freud und am 17. Dezember der 50. Todestag von Victor Franz Hess.

Und abschließend bringt 2014 auch einen besonderen Todestag - nämlich einen der seltenen Fälle, an denen wir das Ende einer Spezies, die der Mensch ausgerottet hat, auf den Tag genau datieren können: Am 1. September wird es genau 100 Jahre her sein, dass die letzte Wandertaube gestorben ist. (APA/red, derStandard.at, 31. 12. 2013)

  • Die UNO hat 2014 zum Internationalen Jahr der Kristallographie erklärt.
    foto: reuters/christian hartmann

    Die UNO hat 2014 zum Internationalen Jahr der Kristallographie erklärt.

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