Zu viele Meeresbewohner sind zu wenig flexibel

24. Dezember 2013, 18:09
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Forscher untersuchten die Präferenz wirbelloser Meerestiere für bestimmte Lebensräume

Erlangen-Nürnberg - Es hat seinen Vorteil, wenn man einen abgeschiedenen Lebensraum wie etwa die Tiefsee bewohnt: Viele klimatische und geologische Umwälzungen gehen an einem vorbei. Der Haken an der Sache scheint aber zu sein, dass sich die Bewohner eines derart stabilen Lebensraums nur schwer auf Veränderungen einstellen können, wenn diese sie dann doch einmal betreffen.

Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg berichten in der Fachzeitschrift "Ecology Letters", dass die wirbellosen Tiere in den Ozeanen nur wenig anpassungsfähig sind. Die Wissenschafter um Melanie Hopkins und Wolfgang Kießling untersuchten, wie stark die Präferenz der Meeresorganismen für bestimmte Lebensräume in der Vergangenheit war und wie sehr sich diese veränderte. Dafür werteten sie über 300.000 Fossilvorkommen einer internationalen Datenbank statistisch aus.

Wenig Veränderung

Ihr Fazit: Die ökologischen Nischen in den Meeren veränderten sich kaum, besonders in den letzten 100 Millionen Jahren Erdgeschichte – trotz massiver globaler Umweltveränderungen an der Oberfläche. Dem Großteil der Gattungen - etwa 75 Prozent - bereiten neue Umweltbedingungen wie höhere Wassertemperaturen oder verändertes Nährstoffangebot Probleme. Korallen und Schwämme sind der Studie zufolge extrem konservativ und entsprechend empfindlich. Muscheln und Seeigel können sich leichter anpassen.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels hat dies besondere Bedeutung. "Da Anpassung anscheinend keine Option für die meisten Meeresorganismen ist, bleibt nur noch Migration, um dem Artensterben zu entgehen", so Kießling. Doch genauso wie die Gebirgsfauna und -flora an Land mit zunehmender Erwärmung nicht unbegrenzt nach oben wandern kann, ist auch das Ausweichen unter Wasser ist nicht endlos möglich. Früher oder später stoßen die Meerestiere auf für sie unüberbrückbare Hindernisse wie etwa Festland. (red, derStandard.at, 21. 12. 2013)

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