Kraftstoffe auf Strombasis tragen erst in Jahrzehnten zum Klimaschutz bei

28. Dezember 2013, 17:58
84 Postings

Strombasierter Wasserstoff ab 2020/2030 und Methan ab 2040 klimafreundlicher als benzinbetriebene Pkw

Das Institut für angewandte Ökologie in Berlin hat in einer aktuellen Arbeit beurteilt, wie umweltfreundlich Kraftstoffe auf Strombasis wie Wasserstoff, synthetische Flüssigkraftstoffe oder Methan tatsächlich sind. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass diese Treibstoffe voraussichtlich erst langfristig zum Klimaschutz beitragen.  Treibhausemissionen könnten nur dann vermieden werden, wenn für ihre Erzeugung Strom aus erneuerbaren Energien von herangezogen wird. Die direkte Nutzung des Stroms sei effizienter und daher zu bevorzugen, schreiben die Forscher in ihrem Working Paper "Strombasierte Kraftstoffe im Vergleich".

Bei der Umwandlung von Strom in Antriebsstoffe geht Energie verloren – die Umwandlungsverluste gehen dabei zu Lasten der Effizienz der stromerzeugten Kraftstoffe. Je nach Herstellungspfad und Kraftstoff verbleiben 40 bis 60 Prozent der Energie des Stroms im Kraftstoff.

"Wir stellen deshalb fest, dass der direkte Einsatz von Strom in Elektrofahrzeugen aus energetischer Sicht zu bevorzugen ist", fasst Peter Kasten, Verkehrs- und Klimaschutzexperte am Öko-Institut zusammen. Denn neben der vorteilhaften direkten Stromnutzung weisen Elektromotoren deutlich höhere Wirkungsgrade auf als Verbrennungsmotoren. Dort, wo der elektrische Antrieb technisch nicht machbar ist, wie etwa beim Flugverkehr, stellen strombasierte Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien allerdings eine Klimaschutzoption dar.

Wasserstoff erst nach ab 2020/2030 die klimafreundlichere Variante

Trotz eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist die Nutzung strombasierten Methans auf Grundlage des Strommixes erst nach 2040 klimafreundlicher als der Einsatz konventioneller, benzinbetriebener Pkw. Für den Einsatz von strombasiertem Wasserstoff in Brennstoffzellenfahrzeugen gilt dies ab 2020/2030. Denn der aktuelle Strommix besteht heute noch etwa zur Hälfte aus fossilen Brennstoffen. Klimaschädliche Treibhausgasemissionen können durch diese Kraftstoffe daher nur eingespart werden, wenn zusätzliche erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.

Hoher Strombedarf bleibt noch ungelöst

Vorangegangene Arbeiten des Öko-Instituts zeigen, dass der Verkehr, würde er bis zum Jahr 2050 vollständig auf Elektrofahrzeuge und stromerzeugte Kraftstoffe umgestellt, allein für die Herstellung der Kraftstoffe mehr Strom benötigen würde als im Jahr 2011 in Deutschland insgesamt verbraucht wurde.

"Für einen nennenswerten Klimabeitrag des Verkehrs müssen wir daher auch weiter nach anderen Lösungen suchen, um den Energiebedarf zu verringern", fordert Ruth Blanck. "Neben der Steigerung der Fahrzeugeffizienz können auch die Vermeidung von Verkehr und die Verlagerung von Transporten beispielsweise von der Straße auf die Schiene einen erheblichen Beitrag dazu leisten, den Energiebedarf des Verkehrssektors zu senken." (red, derStandard.at, 28.12.2013)

  • Die direkte Verwertung von Strom für den Antrieb sei derzeit noch umweltfreundlicher als Kraftstoffe auf Strombasis, meint das Institut für angewandte Ökologie in Berlin.
    foto: ap/rich pedroncelli

    Die direkte Verwertung von Strom für den Antrieb sei derzeit noch umweltfreundlicher als Kraftstoffe auf Strombasis, meint das Institut für angewandte Ökologie in Berlin.

Share if you care.