Redtube-Affäre: Blogger und Staatsanwalt gehen gegen Abmahner vor

17. Dezember 2013, 17:46
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Neue Fakten zeigen Verbindung von Rechteinhaber und IP-Ermittlern auf

Gegen die Porno-Abmahnwelle, die in den letzten Tagen zehntausende deutsche Internetuser erfasst hat, regt sich Widerstand. Nicht nur Abgemahnte wehren sich gegen die Forderungen des Rechteinhabers The Archive, der für das Streamen von Pornofilmen auf der Plattform Redtube Schadensersatzforderungen aufstellt, auch Blogger und Anwälte ziehen gegen das Unternehmen und die von ihm beauftragte Kanzlei zu Felde.

Wie die Staatsanwaltschaft Regensburg laut Heise bestätigt, sind mittlerweile eine Reihe von Anzeigen gegen die Kanzlei Urmann + Collegen, welche Absender der Abmahnungen ist, eingegangen. Der Vorwurf lautet Betrug, da die Staatsanwaltschaft dafür allerdings keine Anhaltspunkte dafür sieht, wurden diese Bereits zu den Akten gelegt.

Eidesstattliche Erklärung ein Tag nach Firmengründung

Schon zuvor wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Köln gegen den Anwalt Daniel Sebastian bzw. einen Mitarbeiter der Firma itGuards ermittelt. Er hatte mit seinen Anträgen beim Landgericht Köln zahlreiche Auskünfte von der Deutschen Telekom und anderen Providern erwirkt, um die Anschlussinhaber der hinter den von der Software "GLADII" ermittelten IP-Adressen ausfindig zu machen.

Konkret geht es um eine eidesstattliche Erklärung eines Mitarbeiters der Firma itGuards. Er hatte dessen einwandfreie Funktion bestätigt. Heftige Kritik musste sich bereits das Kölner Gericht gefallen lassen, wo Redtube von einem "Downloadportal" (laut Antrag von Sebastian) zu einer "Tauschbörse" wurde.

itGuards und The Archive: Homepage unter selbem Account

Zunehmend in den Fokus rückt jedoch das Verhältnis von itGuards und The Archive. Dazu hat Klemens Kowalski, Betreiber von kowabit.de, erstaunliche Informationen zusammen getragen. So stellt sich heraus, dass beide Firmen Kunden beim Hosting- und Webbaukasten-Betreiber wix.com sind. Und nicht nur das: Ihre Webseiten liegen auf dem gleichen Server und werden über einen Account namens "the-archive" betrieben.

Gegründet wurde itGuards am 21. März 2013 und bereits einen Tag später lieferte das Unternehmen das besagte Gutachten zu GLADII. Am 18. Juli erhielt The Archive schließlich die Rechte an jenen Pornofilmen, für deren Streaming nun zahlreiche Websurfer belangt wurden. Die mutmaßlichen Rechtsverletzungen wurden nicht einmal eine Woche später registriert.

Seltsame Geldflüsse

Auch die deutsche Piratenpartei mischt mit und hat ihr übermittelte Dokumente zur Kanzlei U+C an die Öffentlichkeit gebracht. Diese zeigen, dass früheren Mandanten aus Filesharing-Abmahnungen die Anwaltsgebühren nur zum Teil verrechnet worden war, womit den Rechteinhabern "implizit ein Teil der Einnahmen als Provision für die Erteilung des Mandats (...) ausgezahlt" wurde", heißt es von den Piraten. Diese orten geschäftsmäßigen Betrug. (red, derStandard.at, 17.12.2013)

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