Die Frisur sitzt

17. Dezember 2013, 17:10
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Aus "Felix Austria", so ZDF-Reporter Stephan Merseburger süffisant, gilt es Sensationelles zu vermelden

Was macht ein pfiffiger Reporter, wenn er im deutschen Fernsehen über österreichische Politik berichten soll, damit auch jeder weiß, dass es jetzt um ein lustiges Nachbarland geht? Mit zünftiger Blasmusik vom Band. Der Huber bläst die Tuba, und die Kameras verfolgen, wie die neue Bundesregierung in Wien etwas linkisch zur Angelobung beim Bundespräsidenten schreitet. Hinten im Bild auf dem Ballhausplatz gehen Studenten ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nach und schwenken Transparente. Auf denen wird etwa geschichtsbewusst Monty Python zitiert: "Ministry of Silly Walks".

Aus "Felix Austria", so ZDF-Reporter Stephan Merseburger süffisant, gilt es Sensationelles zu vermelden: "Wunderwuzzi wird Außenminister!" Und das wird Sebastian Kurz, in dessen auffällige Ohren sich die Kamera sofort verliebt hat, mit "zarten 27 und noch keinem abgeschlossenen Jurastudium".

"Spötter sagen", so Merseburger spöttelnd, "er könne kein Porzellan zerschlagen, weil das Land über keine nennenswerte Außenpolitik mehr verfügt." Warum das einmal anders war, müsste man jetzt in der Zeit Monty Pythons nachgoogeln, wir machen aber lieber in Stabreim: "Heute Wien, morgen Brüssel, Belgrad und Bangkok. Ob er Akzente setzen kann, wer weiß. Sicher ist, die Frisur wird sitzen. Das tat sie immer."

1841 wurde in Merseburg übrigens ein teilweise in Stabreimen verfasster altgermanischer Zauberspruch gefunden, der uns von Fesseln befreien soll - etwa von jenen, wie man einen launigen Beitrag über seine schrulligen Nachbarn zu gestalten hat. Die zentrale Aussage lautet: "Insprinc haftbandun (Entspringe den Haftbanden)". Lieber aber noch einmal mit der Kamera auf die Ohren. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 18.12.2013)

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