Die Birke zum Backen

Kolumne22. Dezember 2013, 15:58
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Die Gemeine Hasel verkündet den Schluss des Gartenjahres: Ihr Samen endet als Weihnachtskeks, weiß Gregor Fauma

Die Birke ist ja ein fantastischer Baum. Sie lässt viel Licht durch, die Blätter zippeln und zappeln schon bei der leisesten Bö, und das Weiß ihres Stamms konterkariert wunderbar grüne Umgebungen. Das ist so.

Eine weitere feine Eigenschaft dieser Salondame unter den schnellwachsenden Bäumen: Sie kommt gut mit Eiszeiten klar. Wo es kalt ist, ist die Birke. Und wer schon einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Omsk nach Tomsk gefahren ist, kann auch viel über Birken erzählen. Man sieht dort kaum anderes. Aber darum geht es gar nicht.

Hasel und Nuss

In Wahrheit geht es zum Saisonabschluss um ein anderes Birkengewächs, das nach der Haselmaus benamst ist: die Gemeine Hasel, auch Haselnuss oder liebevoll Corylus avellana genannt- also die Haselnuss aus der Region rund um Avellino, wo einst Schoko Schachner von den eigenen Fans fast verprügelt wurde. Sommergrün und gut und gerne fünf bis sieben Meter hoch wachsend, wird sie seit abertausenden Jahren von Menschen genutzt.

Nicht ganz so lange, dafür aber intensiver genutzt wird die Hasel aus der Lombardei, die Lambert-Haselnuss. Ihre Nüsse sind größer und schmecken besser. Eine weitere Hasel ist bei Gartler und Gärtnerin sehr beliebt: die Korkenzieher-Hasel. Ihre Zweige sind eingedreht, sie trägt aber nur wenige Nüsse. Und überhaupt! Die Hasel ist ein perfekter Gartenpflanz, anspruchslos (auf Gartendeutsch "dankbar") und pflegeleicht.

Als üppige Hecke ist sie beliebt bei Eichhörnchen wie Mensch, aber auch die Singvogerln sind dankbar für den Schutz, den eine Haselhecke bietet. Die einzige Möglichkeit, eine Hasel irgendwie zu sekkieren, ist es, sie zu feucht zu halten. Das lesen Gartlerin und Gärtner natürlich gerne, sparen sie sich doch so einen Weg mit der Gießkanne.

Früh samtig

Zu Ostern erfreuen die Haseln mit ihren samtigen Blütenständen und schenken Palmkatzerln. Das sind übrigens die männlichen Blüten. Die weiblichen Blüten stehen zwar auch auf derselben Pflanze, sind aber weniger scheinbar. Haselnüsse haben ihre Blütezeit Februar bis März, also genau dann, wenn es Gartler und Gärtnerin eh nicht mehr im Haus aushalten und ihre Weihnachtskeks längst verputzt haben.

Und hier schließt sich der Kreis: Aus befruchteten Blüten wird eine Nuss, in der Nuss sitzt der Samen, und der wird gerieben, mit Butter, Ei und Mehl verknetet und zu feinen Keksen oder gar Vanillekipferln vollendet. Der Winter möge beginnen - fröhliche Weihnachten mit der Gemeinen Hasel! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 20.12.2013)

Tipp zur Hasel: Schwächere und beschädigte Zweige erst nach der Blüte (Palmkatzerln) entfernen.

  • Die Hasel ist nicht nur bei Eichhörnchen beliebt: Im Garten erweist sich das Birkengewächs nämlich als äußerst "dankbare" Pflanze.
    foto: ap/heribert proepper

    Die Hasel ist nicht nur bei Eichhörnchen beliebt: Im Garten erweist sich das Birkengewächs nämlich als äußerst "dankbare" Pflanze.

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    foto: maria ziegelböck
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