Widerstand gegen Frauenagenden in Bildungsressort

17. Dezember 2013, 12:16
11 Postings

Aktivistinnen sehen "Abwertung der Frauenpolitik" - Offener Brief an Bundeskanzler - Heinisch-Hosek sieht Aufwertung durch Fusion

Nachdem die Eingliederung der Wissenschaftsagenden in das Wirtschaftsressort Studierende auf die Barrikaden getrieben hat, wird nun auch Kritik an der Entscheidung laut, das eigenständige Frauenministerium abzuschaffen. In einem offenen Brief, den die SPÖ-Politikerin Sonja Ablinger initiiert hat, heißt es: "Durch die Abschaffung des Frauenministeriums im Bundeskanzleramt mit seiner umfassenden Koordinierungskompetenz wird die Frauenpolitik als Querschnittsmaterie abgewertet."

Die Erst-Unterzeichnerinnen des offenen Briefes, darunter Annemarie Aufreiter (Witwe von Johanna Dohnal), Barbara Blaha, Andrea Maria Dusl, Gabriele Michalitsch, Helga Konrad, Beatrix Neundlinger und Christine Nöstlinger fordern den Bundeskanzler auf, seine Entscheidung zu überdenken und ein eigenständiges Frauenministerium "mit ausreichenden finanziellen und personellen Ressourcen" bereitzustellen. Sie schließen sich damit den Forderungen des Frauenrings, dem Dachverband der österreichischen Fraueneinrichtungen, an. Abschließend heißt es in dem Brief: "Nur wenn die kommende Regierung Frauenpolitik seriös betreibt, kann Österreich die bisher unerfüllten verfassungsrechtlichen Verpflichtungen erfüllen und in den internationalen Gleichstellungs-Rankings endlich einen besseren Platz einnehmen."

Heinisch-Hosek: "Leite echtes Zukunftsressort"

Die neue Bildungsministerin reagierte am Dienstag betont gelassen auf den Vorstoß. Der Bildungsbereich sei aus Sicht der Frauen besonders wichtig, meinte Heinisch-Hosek am Rande der Parlamentssitzung. "Gerade in diesem Bereich arbeiten so viele Frauen, daher ist die Vernetzung dieser Felder ein vordringliches Ziel", so Heinisch-Hosek.

Von einer Schwächung des Ressorts wollte sie nichts wissen. "Das Frauenministerium war noch nie so stark wie jetzt, in Verbindung mit einem zweiten, enorm wichtigen Ressort. Beide Bereiche werden voneinander profitieren, behalten aber natürlich auch ihre eigenständigen Schwerpunktsetzungen." Ein Auflösen des Frauenressorts in ein anderes Ministerium, wie es etwa unter Schwarz-Blau der Fall war, sei nie ein Thema gewesen. Im Gegenteil, es gehe damit eine echte Aufwertung einher. "Die Frauenpolitik gewinnt in der neuen Regierung an Stärke und Gewicht, darauf können sich die Frauen in Österreich verlassen. Ich war immer eine kämpferische Frauenpolitikerin und das werde ich auch bleiben", so Heinisch-Hosek abschließend. (red, dieStandard.at, 17.12.2013)

  • Der offene Brief im Wortlaut als .doc-Format

    Download
Share if you care.