Chinesen zähmten Katzen vor mehr als 5.000 Jahren

16. Dezember 2013, 21:02
228 Postings

Überraschender Fund in China: Forscher entdeckten Knochen, die nahelegen, dass Katzen bereits vor rund 5.300 Jahren mit Menschen zusammenlebten

Washington/Wien - Im Vergleich zu Hunden sind Hauskatzen ziemlich eigensinnige Wesen. Das könnte womöglich auch damit zusammenhängen, dass Hunde um einiges länger mit dem Menschen zusammenleben, wie finnische Forscher vor kurzem herausfanden. Allem paläogenetischen Anschein nach begann die Verwandlung der Wölfe zu Hunden vor 19.000 bis 32.000 Jahren in Europa. Es gibt zudem Hinweise, dass in China bereits vor 15.000 Jahren Hunde gehalten wurden.

Weniger gut erforscht ist, wo und wann die Domestikation der Wildkatzen erfolgte, die unseren Hauskatzen ziemlich ähnlich sehen, aber nicht miauen. Immerhin weiß man seit einer Studie aus dem Jahr 2007, dass alle 600 Millionen gegenwärtig lebenden Hauskatzen von einer der fünf Unterarten der Wildkatze abstammen, nämlich Felis silvestris lybica. Der Ort der Zähmung dürfte demnach vor rund 5000 Jahren der Nahe Osten gewesen sein.

Forscher gehen davon aus, dass es mit der Sesshaftigkeit der Menschen in der Region des Fruchtbaren Halbmonds zu einer Art "Selbstdomestikation" der Wildkatzen kam, die als Abfallvertilger am Rande der ersten Siedlungen lebten. Für das Alte Ägypten liegen dann eindeutige Belege für die Hilfe der Katzen beim Mäusejagen vor, aber das war eindeutig später.

Ein internationales Forscherteam relativiert im Fachblatt PNAS nun aber die bisherigen Annahmen zur Katzendomestikation. Allem Anschein nach lebten in China bereits vor mindestens 5300 Jahren Katzen in unmittelbarer Nähe von frühen Dörfern.

Yaowu Hu (Chinesische Akademie der Wissenschaften in Peking) und Kollegen untersuchten acht Knochen von mindestens zwei Katzen, deren Überreste im Dorf Quanhucun in der Provinz Shaanxi in Zentralchina gefunden worden waren. Die Wissenschafter datierten den Fund auf ein Alter von etwa 5300 Jahren. Die Knochenanalysen ergaben aber auch, dass sich die Tiere von Hirse und auch von Nagetieren ernährten, die den Bauern vermutlich die Hirse wegfraßen.

Unklar ist, ob die in China gefundenen Katzenknochen von Felis silvestris lybica stammten, wie Ko-Autorin Fiona Marshall erläutert. So bleibt vorläufig offen, ob die Katzen vom Nahen Osten nach China kamen, ob sie sich dort mit chinesischen Wildkatzen paarten - und mithin: welche Rolle die Katzen in China bei der Domestizierung nun tatsächlich spielten. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 17.12.2013)

  • Die Wildkatze des Nahen Ostens gilt als Mutter aller Hauskatzen.
    foto: standard/péter csonka

    Die Wildkatze des Nahen Ostens gilt als Mutter aller Hauskatzen.

Share if you care.