98 Prozent der Fläche Niederösterreichs für Windräder tabu

16. Dezember 2013, 19:04
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Das Land Niederösterreich hat einen Plan für den weiteren Bau von Windkraftanlagen erarbeitet: Zwei Prozent der Fläche gelten als geeignet. Im Weinviertel ist der Anteil größer, was dort auf Kritik stößt. Und die IG Windkraft zweifelt am Erreichen der Energieziele

St. Pölten - Zwei Prozent der Fläche windradtauglich Das Land Niederösterreich hat einen Plan für den weiteren Bau von Windkraftanlagen erarbeitet: Zwei Prozent der Fläche gelten als geeignet. Im Weinviertel ist der Anteil größer, was dort auf Kritik stößt. Und die IG Windkraft zweifelt am Erreichen der Energieziele. Gudrun Springer

St. Pölten - Zwei Prozent der Fläche Niederösterreichs sind geeignet für den Bau von Windrädern, das entspricht 38.500 Hektar. Das legt ein Zonenplan fest, den Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (VP) am Montag präsentiert hat. In den nächsten zwei Monaten besteht noch die Möglichkeit für Stellungnahmen, dann entscheidet die Landesregierung darüber.

Keine Rückbauung

In mehreren der insgesamt 85 für Windräder geeigneten Arealen befinden sich bereits Anlagen. "Eine Handvoll" stehe außerhalb der Zonen, rückgebaut werde dort laut Pernkopf aber nicht. Auffällig ist, dass mögliche Windradbau-Zonen vor allem im Norden und Osten des Landes zu finden sind.

Bei der IG Weinviertel, einem Zusammenschluss von Bürgerinitiativen gegen Windparks, zeigt man sich zwar zufrieden über die übergeordnet erfolgte Planung. Dass das Weinviertel aber zu fünf Prozent verbaut werden darf und damit stärker als andere Gebiete, stößt IG-Weinviertel-Sprecher Leopold Dungl sauer auf. "Das Weinviertel trägt die Hauptlast, nämlich 58 Prozent der Fläche aller Eignungzonen", sagte Dungl.

Vergangenen Mai hatte Niederösterreich beim Windradbau die Notbremse gezogen: Man beklagte einen Wildwuchs, der auch damit zusammenhing, dass sich Gemeinden bei der Errichtung von Windparks ein schönes Körberlgeld dazuverdienen können. In der Bevölkerung machte sich zum Teil Widerstand bemerkbar. Der Landtag beschloss eine Widmungspause und eine Änderung des Raumordnungsgesetzes.

Vogelschützer redeten mit

In die Erstellung des Zonenplans waren Experten, etwa aus Naturschutz und Tourismus, eingebunden. 83 Prozent der Landesfläche sind allein wegen der Nähe zum Wohngebiet Sperrzone. Weiters kam die Berücksichtigung von Schutzgebieten dazu, etwa zum Schutz der Natur oder von Vogelarten - auch die Organisation Birdlife arbeitete am Zonenplan mit. Damit weitete sich die Windrad-Tabufläche auf 91 Prozent aus. Und um weitere sieben Prozent größer wurde sie durch Berücksichtigung von Flugsicherheit, Bundesstraßenplanung oder dem Schutz alpiner Zonen.

Nicht miteinbezogen wurde die Frage, ob diese Zonen überhaupt windtechnisch geeignet sind. "Das ist dann Sache der Gemeinden", erklärte Pernkopf. Die Zonenpläne sagen nämlich noch nichts darüber aus, wo künftig tatsächlich neue Windräder gebaut werden: Darüber entscheiden nach wie vor die Gemeinden. Und eine strategische Umweltprüfung und eine Umweltverträglichkeitsprüfung sind weiterhin Pflicht.

Die Windkraftlobby ist mäßig begeistert über die Zonierung, Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, spricht von "drastischen Einschränkungen" und ließ Zweifel am Erreichen der Energieziele anklingen. Pernkopf hält daran fest, dass Niederösterreich bis 2020 die Hälfte des Energiebedarfs aus erneuerbarer Energie decken werde. Tatsächlich sollen nicht mehr so viele Windräder neu geplant werden wie bereits stehen: 450 Windkraftanlagen gibt es schon, 300 sind in Umsetzung. Maximal 200 können noch dazukommen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 17.12.2013)

  • Nur ein kleiner Teil der Fläche Niederösterreichs komt als Nutzungszone für Windenergie in Frage.
    foto: dpa/hauke-christian dittrich

    Nur ein kleiner Teil der Fläche Niederösterreichs komt als Nutzungszone für Windenergie in Frage.

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