Die "legalen" und die "illegalen" Flüchtlinge auf Malta

Blog16. Dezember 2013, 16:24
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Gespräche mit Studenten auf und über Malta: Über die geopolitische Randlage des Inselstaats und die Forderung an die EU, die Lebensbedingungen von Flüchtlingen zuallererst in deren Heimatländern zu verbessern

Am Ende der Woche, in der wir mit so vielen verschiedenen Menschen gesprochen haben, treffen wir einige Studenten in Zurrieq. Melissa, Bernice und Andrew sind sich einig, dass das Problem der Flüchtlinge für Malta nicht so enorm sei. Sie sehen die Dinge distanzierter und gelassener als unsere letzten Gesprächspartner. Natürlich sei es schwierig wegen der Enge, aber sie sind auch der Meinung, dass die Integration ganz gut funktioniere. Gleichzeitig räumen sie ein, dass sie nicht in Ortschaften wohnen würden, in denen es offene Lager gebe.

Immer deutlicher wird, dass sich in der umgangssprachlichen Diktion die Unterscheidung zwischen "legalen" und "illegalen" Migranten etabliert hat. Was ihre Jobs angeht fühlen sich die jungen Maltesen eher von den legalen Zuwanderern bedroht, die gut ausgebildet aus Ländern hierher kommen, von denen man eben auf legalem Weg einreisen kann - andere EU-Länder, aber auch Russland werden oft erwähnt.

Meiste Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea

Alle drei sind auch der Meinung, dass zuallererst die Lebensbedingungen in den Ländern, aus denen die Menschen flüchten, verbessert werden sollten. Natürlich sei das der schwierigste und langfristigste Weg, sind sie sich klar, aber eben der einzige, der eine substantielle Verbesserung für alle bringen würde.

Monsignore Philip Calleja, den wir vor wenigen Tagen besucht haben, hat immer wieder auf eine Statistik hingewiesen, aus der hervorgeht, dass über 60 Prozent aller Flüchtlinge, die Malta erreichen, aus Somalia und über 25 Prozent aus Eritrea kommen. Wenn wir das nachrechnen, heisst das, dass 85 Prozent oder über fünfzehntausend der rund achtzehntausend seit dem Jahr 2000 hier angekommenen Flüchtlinge aus nur zwei Ländern stammen.

Keine scharfen Kanten

Bemerkenswert empfinde ich die Feststellung der jungen Leute, dass sie sich, konkret darauf angesprochen, von der EU diesbezüglich deutliche Aktivitäten erwarten.

Was die Studenten sagen, heisst nichts anderes, als dass unsere Grenzen nicht an einer scharfen Kante, an der steilen Klippe einer Insel oder irgendwo und undefinierbar im Meer verlaufen. Ist es bloß die Randlage, die geopolitische Exponiertheit, die diese Erkenntnis bringt, oder wächst hier eine Generation heran, die Europa bereits in einem globalen Verständnis wahrnimmt und fordert?

Es war der 3. Adventsonntag und wir brechen nach Gozo auf. Im Laufe der kommenden Woche geht es dann weiter nach Lampedusa. (Fabian Eder, derStandard.at, 16.12.2013)

  • Mit Bernice, 19, an der alten Mühle in Zurrieq.
    foto: fabian eder

    Mit Bernice, 19, an der alten Mühle in Zurrieq.

  • Die 22-jährige Melissa erzählt auf Malta von ihren Erfahrungen mit Flüchtlingen.
    foto: fabian eder

    Die 22-jährige Melissa erzählt auf Malta von ihren Erfahrungen mit Flüchtlingen.

  • Andrew studiert Physik. "Man muss das Problem an der Wurzel anpacken. Die Lebensbedingungen in den Ländern, aus denen die Menschen flüchten müssen, müssen sich radikal verbessern."
    foto: fabian eder

    Andrew studiert Physik. "Man muss das Problem an der Wurzel anpacken. Die Lebensbedingungen in den Ländern, aus denen die Menschen flüchten müssen, müssen sich radikal verbessern."

  • Mittelmeerküche: Stewed Rabbit.
    foto: fabian eder

    Mittelmeerküche: Stewed Rabbit.

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