Korneuburger Becken: Wie die einstige Meeresbucht allen Umwelteinflüssen trotzte

21. Dezember 2013, 17:46
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Forscher wiesen bemerkenswerte Stabilität eines 17 Millionen Jahre alten sensiblen Ökosystems in Niederösterreich nach

Wien - Auch sensible Ökosysteme können überraschend stabil sein. Das haben Forscher der Uni Wien, des Naturhistorischen Museums Wien (NHM) und der Geologischen Bundesanstalt anhand der Ablagerungen in einer fossilen Meeresbucht nachgewiesen, die vor mehr als 17 Millionen Jahren im heutigen Korneuburger Becken in Niederösterreich existierte. Über 700.000 Jahre überdauerte dieser empfindliche Lebensraum alle Veränderungen der Umwelteinflüsse, berichten die Wissenschafter im Fachjournal "Geology".

Vor rund 17 Mio. Jahren erstreckte sich nordöstlich von Korneuburg eine seichte Meeresbucht mit ausgedehnten Sumpflandschaften und Inseln, wo sich das Süßwasser aus einer Flussmündung mit dem Salzwasser des Meeres mischte - eine Landschaftsform, die als "Ästuar" bezeichnet wird. Der Bau der Schnellstraße S1 eröffnete den Wissenschaftern ein Fenster in dieses einstige Ökosystem aus dem Miozän.

Sie konnten Proben aus einer 445 Meter dicken Sedimentschicht des früheren Ästuar entnehmen. Da die Schicht durch tektonische Kräfte nach Oben gedrückt und im Zuge des Straßenbaus freigelegt wurde, waren dafür gar keine Bohrungen notwendig, erklärt Martin Zuschin vom Institut für Paläontologie der Universität Wien.

Hohe Anpassungsfähigkeit

Küstennahe Flachwasserbereiche im Übergangsbereich von Süß- zu Salzwasser würden besonders unter Umweltstress stehen, etwa durch natürliche Veränderungen des Salzgehalts, aber auch durch anthropogene Einflüsse wie Klimaerwärmung oder Umweltverschmutzung. Bisher sei man deshalb "generell der Ansicht gewesen, dass Ästuare kurzlebige Ökosysteme sind, die aufgrund der schwankenden Umweltbedingungen nicht besonders lange überdauern können", so Zuschin. Die Forscher konnten nun erstmals nachweisen, dass ein Ästuar auch über einen sehr langen Zeitraum stabil bleiben kann.

Dies sei nur mit der Fähigkeit des Ökosystems erklärbar, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen und natürliche Veränderungen zu kompensieren. Ob dies allerdings auch für menschlich verursachten Faktoren gilt, ist für die Wissenschafter fraglich. Interessierte können in der "Fossilienwelt Weinviertel" einen Einblick in die fossile Lebenswelt des Ästuars gewinnen. Unter mehr als 650 fossilen Pflanzen- und Tierarten, die bei Grabungen in der Region gefunden wurden, befindet sich auch das größte fossile Austernriff der Welt. (APA, 21.12.2013)

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