Drei Jahre Haft für rückfälligen Kautionsbetrüger in Wien

16. Dezember 2013, 16:46
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Ein 53-Jähriger mietete Ferienwohnungen, trat im Internet als deren Eigentümer auf und kassierte von den Leider-Nein-Mietern die Kaution. 47-mal war er erfolgreich, der Schaden beträgt über 100.000 Euro

Wien - Exakt vier Tage nach seiner Haftentlassung ist Gerardo P. rückfällig geworden. Mit derselben Betrugsmasche, die ihm schon im Jahr 2011 eine Vorstrafe von 20 Monaten, davon fünf unbedingt, eingebracht hat. Sein Trick: Er trat in Wien als angeblicher Urlauber auf und mietete Ferienwohnungen an. Dann inserierte er als "Eigentümer" auf Immobilienportalen im Internet - und kassierte von den Mietinteressenten die Kaution. 47-mal war er so bis Juni 2013 erfolgreich, über 107.000 Euro Gewinn lukrierte er.

Vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Stefan Romstorfer zeigt sich der hagere 53-Jährige zerknirscht und umfassend geständig. Er versucht sein Motiv zu erklären: "Ich habe eine geschiedene Frau, die hat Geld verlangt, damit ich mein Kind sehen kann. Teilweise 1500 Euro, und ich konnte kein Geld bekommen." "Wieso haben Sie sich keine normale Arbeit gesucht?", will Romstorfer wissen. "Ich bin zu alt", antwortet der gelernte Elektrotechniker.

Auf den Bauernhof

Aber er will sich bessern: "Meine Schwester hat einen großen Bauernhof daheim in Italien. Nach der Haft will ich dorthin zurück. Und meine Eigentumswohnung verkaufen, damit ich den Schaden bezahlen kann", verspricht er. "Es kann so nicht weitergehen." Wofür er das ganze Geld verbraucht habe, will seine Verteidigerin Irene Pfeifer wissen. "Ich habe den Unterhalt bezahlt und habe gespielt. Bei einem Geschäft bin ich selbst um 40.000 Euro betrogen worden, daher habe ich Schulden."

Von den 47 Opfern sind nur zehn, vorwiegend jüngere Menschen, ins Gericht gekommen, um ihr Geld zurückzufordern. Um die 2000 Euro haben die Leider-Nein-Mieter jeweils als Kaution abgeliefert. Und dafür großteils sogar Verträge bekommen, die P. aus dem Internet ausgedruckt hatte. Mittlerweile war die Wohnungssuche der Opfer offensichtlich erfolgreich: "Haben alle eine neue Adresse? Das gibt es ja gar nicht!", ruft die Schriftführerin halb verzweifelt, als sie merkt, dass sie die Meldedaten nicht aus dem Akt übernehmen kann, sondern mitschreiben muss.

"Einschlägiger geht es gar nicht."

"Es tut mir wirklich leid, ich bereue es sehr", entschuldigt sich der Angeklagte in seinem Schlusswort und sieht dabei die Betrogenen an. Den Vorsitzenden Romstorfer fleht er an: "Geben Sie mir bitte eine absolut letzte Chance!"

Der Senat erfüllt ihm diesen Wunsch nicht ganz. "Sie haben eine Vorstrafe, einschlägiger geht es gar nicht", begründet Romstorfer die drei Jahre unbedingte Haft. Die eigentlich gar nicht so streng sind, schließlich beträgt der Strafrahmen zwischen einem und zehn Jahre. Dass allerdings auch die 15 noch offenen Monate der ersten Strafe widerrufen werden, passt P. nicht. Er meldet Berufung an, daher ist das Urteil nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, derstandard.at, 16.12.2013)

  • Einen sechsstelligen Betrag mit gefälschten Mietangeboten ergaunerte sich ein 53-Jähriger in Wien.
    foto: dpa/hannibal hanschke

    Einen sechsstelligen Betrag mit gefälschten Mietangeboten ergaunerte sich ein 53-Jähriger in Wien.

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