Russland startet staatliche Billig-Fluglinie

16. Dezember 2013, 11:08
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Bald soll man endlich auch in Russland halbwegs günstig fliegen können, ab nächstem Jahr soll man mit "Dobroljot" fliegen können

Moskau - Fliegen ist in Russland derzeit ein teurer Spaß. Oft ist es günstiger, ins Ausland zu verreisen als im eigenen Land. Das soll sich nun ändern: Mit Spannung wartet das Riesenreich auf den Start eines staatlichen Billigfliegers.

Fliegen zu Zugpreisen: Für den umkämpften russischen Flugmarkt sind die Pläne von Marktführer Aeroflot eine Revolution. Mit einer eigenen Billigfluglinie will die größte Airline des Landes nach finanziellen Turbulenzen 2014 wieder durchstarten. Dobroljot - zu Deutsch: guter Flug - heißt die neue Airline, die sich der vom Kreml kontrollierte Konzern allein in den ersten beiden Jahren rund 100 Millionen US-Dollar kosten lässt.

"Nur ein großer Player wie Aeroflot ist in der Lage, mit Macht von Null ein Unternehmen aufzubauen", sagt der Flugexperte Roman Gussarow der Zeitung "Iswestija". Das Ziel: Die meist hohen Preise für Flugreisen im größten Land der Erde sollen um bis zu 40 Prozent sinken. Derzeit kosten Inlandsflüge oft deutlich mehr als vergleichbare Auslandsstrecken. Nun aber greift das vom Kreml kontrollierte Unternehmen die Staatsbahn RZD an - denn mit solch großen Rabatten wären Flüge günstiger als viele Zugkarten. Ein erhoffter Nebeneffekt: Auch andere Anbieter dürften nachziehen und ihre Preise senken.

Investitionen in marodes Verkehrsnetz

Der Staat hat durchaus Interesse an der hausgemachten Konkurrenz. "Die Gründung einer Billigfluglinie betrifft auch die Entwicklung des Regionaltransports und ist deshalb eine soziale wie politische Frage", schreibt Ilja Waisberg vom Fachmagazin "Awijasojus". Auch Regierungschef Dmitri Medwedew betont, die Russen sollten wählen können zwischen Flugzeug und Bahn. Das Ausrichterland der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 hat hohe Investitionen in das oft marode Verkehrsnetz in Aussicht gestellt.

Vorbild für die Pläne von Aeroflot-Chef Witali Saweljew ist der irische Billigflieger Ryanair. "Das wird ein ganz hartes Produkt", kündigte Saweljew doppeldeutig an. "Die Stühle können nicht zurückgestellt werden - wie in Vorortzügen, sie stehen dichter." Wie bei anderen Linien sollen Gepäckaufgabe und Essen nur gegen hohe Aufschläge möglich sein. Mit dem radikalen Ansatz will Aeroflot den Marktanteil in Russland von derzeit etwa 40 Prozent noch erhöhen.

"Schnell, angenehm, günstig" - so wirbt Dobroljot bereits im Internet. Schon ab Mitte 2014 will die neue Airline abheben, zunächst mit acht modernen Boeing 737-800. Später soll die Flotte auf 40 Maschinen wachsen. Als erstes stehen einige beliebte Ziele im westlichen Teil des Riesenreichs auf dem Flugplan wie die Touristenmetropole St. Petersburg oder die Millionenstadt Jekaterinburg. Tickets sind aber noch nicht zu kaufen.

Unterstützung der Regierung sicher

Zweifel, dass es Dobroljot ähnlich ergeht wie den ersten beiden russischen Billigfluglinien hat kaum jemand. SkyExpress und Avianova waren schon nach kurzer Zeit 2011 pleite. Zu hoch waren die Kosten für Standgebühren und Kerosin, zu groß der Ärger mit Korruption und Bürokratie. Ähnliche Probleme plagen ausländische Anbieter. So will angeblich die britische Easyjet ihre Flüge nach Moskau einstellen. Ryanair nimmt immer wieder Abstand von Expansionsplänen gen Osten.

Für Aeroflot aber gibt es kaum Hindernisse: Der Konzern habe die Unterstützung der Regierung sicher, betont der Kolumnist Alexander Welowitsch vom Journal "Wsljot". Das komme Dobroljot auch bei Verhandlungen mit Lieferanten zugute. Und auch die Gesetzgebung passt Russland kurzerhand den Bedürfnissen der neuen Fluglinie an: Schon bald soll ein Umtauschverbot von Tickets aufgehoben werden. Aeroflot, als Mitglied der Flugallianz SkyTeam nach eigener Ansicht eine der führenden Airlines der Welt, setzt indes hohe Anforderungen an die neue Linie, die Saweljews Vertrauter Wladimir Gorbunow leiten soll. Mit jährlich zehn Millionen Passagieren rechnet Aeroflot bereits in fünf Jahren. Symbol für die großen Pläne ist der Name: Dobroljot hieß Aeroflot einst selbst bei der Gründung 1923. (APA, 16.12.2013)

  • Künftig soll man auch in Russland zu günstigen Preisen fliegen können.
    foto: dpa/reinhardt

    Künftig soll man auch in Russland zu günstigen Preisen fliegen können.

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