Oscar-Preisträgerin Joan Fontaine gestorben

16. Dezember 2013, 18:18
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Die US-amerikanische Schauspielerin wurde durch Alfred Hitchcocks "Rebecca" berühmt

Carmel/Wien - "Wenn du diesen Brief liest, bin ich vielleicht schon tot." Mit diesem ersten Satz eines Schriftstücks setzt Brief einer Unbekannten (1948) ein, in dem Joan Fontaine einen ihrer berühmtesten Parts spielte. Max Ophüls' Melodram nach Stefan Zweig erzählt von der lebenslangen, jedoch unerwiderten Liebe einer jungen Frau zu einem Musiker im (Studio-)Wien der Jahrhundertwende. Fontaines sanfte Züge, in denen Affekte ein wenig versinken, verstärken ihre geisterhafte Präsenz in diesem Film - sie ist Gefangene ihrer Fantasie, ein Aspekt, den der Regisseur noch formal betonte.

Über einen Mangel an Aufmerksamkeit musste sich die als Joan de Havilland 1917 in Tokio geborene Schauspielerin selbst nicht beklagen, auch wenn ihr der Erfolg in Hollywood nicht gleich beschieden war. Sie bewährte sich bereits in George Cukors Frauenkampfstück The Women (1939) neben Joan Crawford und Norma Shearer. Der Ruhm folgte schlagartig mit Beginn der 1940er, als sie die erste von Alfred Hitchcocks kühlen Blonden in Amerika wurde. Für Rebecca zog sie Produzent David O. Selznick über ein Dutzend anderer Darstellerinnen vor - darunter auch Vivien Leigh, die mit Laurence Olivier, ihrem Filmpartner, liiert war.

Selznick behielt recht. Fontaine brachte die Rolle als Ehefrau, die eine unheimliche Nebenbuhlerin erhält, ihre erste Oscar-Nominierung ein. Nur ein Jahr später gewann sie den Preis der Academy im damaligen Rekordalter von 24 Jahren: Erneut unter Hitchcocks Führung, verkörpert sie in Suspicion eine Frau, die ihrem Ehemann (Cary Grant) jeden Tag ein bisschen weniger traut. Nicht nur der britische Suspense-Experte schwärmte noch lange über Fontaines zurückhaltendes Spiel, das selbst mit Ängsten zu haushalten verstand.

Legendär ist auch ein anderer Konkurrenzkampf, der erst mit der Auszeichnung richtig zum Ausbruch kam. Olivia de Havilland, Fontaines um ein Jahr ältere Schwester und genau wie sie ein Leinwandstar, nahm es ihr übel, sie überflügelt zu haben - ein innerfamiliäres Duell, das selbst etwas von einem Hollywooddrama hat. Noch in ihrer 1978 erschienenen Biografie erregte sich Fontaine über de Havillands Härte.

In dieser schreibt sie aber auch über die Zufälligkeiten, die Hollywood lenken. Wenn dies zutrifft, dann hatte Fontaine, die als Privatperson auch Abenteuerliches wie Ballonfahren schätzte, nicht nur Talent, sondern auch Glück - und Mut, der Zeit vorauszugehen: In Robert Rossens Island in the Sun spielt sie 1957 eine Frau, die einem von Harry Belafonte verkörperten Jungpolitiker zugetan ist - auch ohne Kuss für damalige Verhältnisse ein Wagnis.

Am Sonntag ist Joan Fontaine im Alter von 96 Jahren in ihrem Haus in Carmel, Kalifornien, gestorben. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 17.12.2013)

  • Wenn sich der eigene Mann als möglicher Betrüger herausstellt: Joan Fontaine mit Cary Grant in Alfred Hitchcocks "Suspicion", für den sie einen Oscar erhielt. 
    foto: warner

    Wenn sich der eigene Mann als möglicher Betrüger herausstellt: Joan Fontaine mit Cary Grant in Alfred Hitchcocks "Suspicion", für den sie einen Oscar erhielt. 

  • Joan Fontaine im April 1945.
    foto: ap

    Joan Fontaine im April 1945.

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