Ausgerechnet Alaska

13. Dezember 2013, 18:29
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In "Wenn Italiener von Alaska träumen" begleitete Alessandra Celesia fünf Frauen und Männer auf dem Weg von Turin in das Kaff Yakutat

Triste Satellitensiedlungen, desolate Wohnungen, kein Job, keine Perspektive und auch keine Aussicht darauf. Da kommt die Anzeige "Du suchst Arbeit? Alaska wartet auf dich!" gerade recht. In Wenn Italiener von Alaska träumen begleitete Alessandra Celesia am Donnerstag auf Arte fünf Frauen und Männer auf dem Weg von Turin in das Kaff Yakutat.

Eine ehemalige Drogenabhängige, ein Vater, der seinen Sohn verloren hat, eine gescheiterte Schauspielerin, die sich nur als Marlene Dietrich gut fühlt: Ihnen gibt die Jobanzeige die Chance, woanders neu anzufangen.

Sehr behutsam geht die Filmemacherin mit ihren Protagonisten um, lässt nur sie zu Wort kommen, kein Kommentar aus dem Off stört. Wie es den Menschen geht, erfährt man durch die Gespräche miteinander. Vor allem sind es die starken Bilder, die Eindruck hinterlassen und weit mehr sagen als erklären- de Stimmen aus dem Hintergrund.

Wenn etwa die ehemalige Süchtige ihre neuen Stiefel für Alaska probiert und für ihre Kinder ein Tonband bespricht, der Exsoldat seine Tätowierungen erklärt oder die Schauspielerin ihre Perücke penibel zurechtrückt.

Italien zu verlassen ist der Versuch, einen Teil von sich selbst hinter sich zu lassen. Dieser Versuch kann nur scheitern, die Flucht vor sich selbst ist nicht möglich. In Alaska angekommen entwickeln sich die Dinge anders als erwartet, Verdrängung funktioniert nicht.

Aber die Reise bringt eine neue Auseinandersetzung mit sich selbst, die Hoffnung gibt. "Dieser Ort hat etwas Magisches, hier macht einen die Natur stark", sagt die drogensüchtige Mutter und lacht. Nachzusehen auf Arte+7. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 14./15.12.2013)

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