"Rollenarbeit ist etwas vom Schönsten!"

13. Dezember 2013, 18:33
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Johanna Arrouas singt ab Samstag in Johann Strauß' "Nacht in Venedig" an der Volksoper

Wien - In die Wiege gelegt war Johanna Arrouas ihr Berufswunsch vielleicht nicht. Aber schon als kleines Kind war ihr, schildert die Wienerin, ihre Zukunft klar: "Ich wusste schon mit vier Jahren, dass ich auf der Bühne stehen möchte! Ich weiß noch, wie überrascht ich war, als ich erfahren habe, dass man dafür auch noch Geld bekommt, weil ich dachte, man muss dafür bezahlen." Bühne - das ist im Fall des Ensemblemitglieds der Volksoper ein umfassender Begriff, ist Arrouas doch auch regelmäßig im Sprechtheater engagiert, etwa bei den Festspielen Reichenau. Dort trat sie auch schon mit ihrem Violoncello auf, denn zuweilen musiziert die Künstlerin auch.

In der Volksoper fühlt sich Arrouas, die zunächst Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt gewesen war, wohl: "Das Repertoiresystem liegt mir sehr. In dieser Saison spiele ich neun Rollen. Das lässt mir natürlich nicht mehr viel Raum für anderes, aber ich empfinde jede meiner Rollen als sehr verschieden. Und das genieße ich sehr." Wandlungsfähigkeit und schnellen Wechsel liebt die Nicht-nur-Sängerin besonders.

So hat sie einmal im Scherzo-ORF-Theater Klagenfurt in der Produktion Comedian Harmonists II gleich sämtliche Frauenrollen gespielt. Und auf jenen Brettern in Wien-Landstraße, wo die Improvisation mit zum Konzept gehört - dem L.E.O. -, hat sie schon während des Studiums am Konservatorium erste Erfahrungen gesammelt. Dabei sind die Unterschiede zu ihrer derzeitigen Tätigkeit für Arrouas gar nicht so groß: "Man muss in beiden Theatern ohne Schüchternheit auf die Bühne - im L.E.O., weil das Publikum so nahe ist, und in der Volksoper, weil die Leute so weit weg sind. Da muss man sich innerlich schon sehr groß machen."

Auf die Herausforderungen des Bühnenlebens hat sie sich durch ihre Ausbildung gut vorbereitet gefühlt: "Das Studium war sehr vielseitig. Wir spielten zum Beispiel Pariser Leben, und Offenbach liebe ich besonders. Der Schritt in die Volksoper war daher für mich nicht weit."

Zu Beginn ihres Engagements am Währinger Gürtel musste sie dennoch Flexibilität beweisen: "Das Vorsingen war drei Tage vor meiner Diplomprüfung: Ich war gerade in Doppelproben an der Josefstadt und in Stockerau, bin in dieses Vorsingen hineingestolpert und war zuerst einmal atemlos angesichts der im Vergleich zur Josefstadt großen Bühne ..." Gibt es noch immer stressige Situationen? "Das Tollste ist, wenn sich Nervosität in guter Energie auflöst. Ich halte mich immer an der Geschichte fest, dann kann eigentlich fast nichts schief gehen, weil man so einen Schritt nach dem anderen macht. Und wenn es dann läuft, macht es richtig süchtig."

Niemals aus der Rolle fallen

Süchtig ist Arrouas auch nach darstellerischer Glaubwürdigkeit, was man jeder ihrer Partien auch anmerkt: "Es ist mir extrem wichtig, dass ich nie die Rolle verlasse - egal wie ich mich gerade auf der Bühne bewegen muss. Das liegt mir so am Herzen. Wenn ich in einer Vorstellung sitze und jemand fällt aus der Rolle, ärgert mich das richtig." Allerdings, meint sie lachend, komme das gar nicht so oft vor: "Ich finde, an der Volksoper passiert es selten - wir haben großartige Kollegen!" Eine Vorliebe für Operette oder Musical - ihre beiden Hauptgenres an der Volksoper - möchte Arrouas nicht bekennen; sie hat aber etwa auch die Papagena aus der Zauberflöte im Repertoire: "In allen Genres gibt es Verbrechen und Meisterwerke. Mich langweilt nichts mehr, als wenn allgemein über Operette und Musical geschimpft wird. Es gibt überall tolle Rollen."

Auch in Johann Strauß' Nacht in Venedig, wo sie die relativ kleine Partie der Köchin Ciboletta übernimmt? "Unbedingt! Ich habe da das Gefühl, etwas zu spielen, was ich noch nie gemacht habe. Sie muss sehr dumm sein. Ich wollte aber nicht säuselnd-naiv spielen. Und so machen wir die Figur eher "langsam". Rollenarbeit ist überhaupt etwas vom Schönsten!" (Daniel Ender, DER STANDARD, 14.12.2013)

Premiere Samstag, 14. 12.

  • Johanna Arrouas.
    foto: standard/urban

    Johanna Arrouas.

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