Wasserdampf über Europa nährt Hoffnung auf Leben

13. Dezember 2013, 18:04
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Deutsche Astronomen beobachteten mit dem Teleskop Hubble, wie der Jupitermond Europa gewaltige Fontänen aus Wasserdampf ausbläst

Köln/Wien - Auch wenn die Temperaturen dort gerade einmal rund minus 150 Grad Celsius betragen, gilt der Jupitermond Europa seit einiger Zeit als einer der heißesten Kandidaten bei der Suche nach Leben jenseits der Erde.

Der Himmelskörper ist etwa so groß wie "unser" Mond und wurde bereits 1610 von Galileo Galilei mit einem der ersten Teleskope entdeckt. Nun machten zwei deutsche Astronomen mit dem Weltraumteleskop Hubble eine weitaus spektakulärere Beobachtung: Neue Aufnahmen von Hubble legen nahe, dass am Südpol von Europa gewaltige Wasserdampffontänen bis zu 200 Kilometer hoch in den Himmel schießen - ein Spektakel, das mehrere Stunden lang dauern kann.

Bislang war nur klar, dass Europa von einer dicken Eisschicht bedeckt ist, unter der wahrscheinlich ein tiefes Meer aus Salzwasser existiert. Die Forscher um Lorenz Roth und Joachim Saur (Uni Köln) gehen im Wissenschaftsmagazin "Science" nun aber davon aus, dass sich das unter dem dicken Eispanzer von Europa gefangene Wasser durch Ritzen im Eis nach oben presst und mit 2500 Kilometer pro Stunde in die Höhe schießt.

Der genaue Mechanismus ist allerdings noch nicht verstanden. Möglich ist nämlich auch, dass sich Risse im Eispanzer aneinander reiben und dadurch die Eiskristalle aufgrund der niedrigen Temperaturen direkt verdampfen. Die Wasserdampffontänen werden jedenfalls immer dann ausgestoßen, wenn Europa am weitesten von Jupiter entfernt ist. Dann wirken die Gezeitenkräfte so, dass sich riesige Spalten in Europas Eisoberfläche auftun und bis zu drei Tonnen Wasserdampf pro Sekunde ausgestoßen werden.

Diese Gezeitenkräfte könnten auch eine mögliche Energiequelle für die Entstehung von Mikroben darstellen, vermuten die Forscher. Zudem spekulieren sie, dass es am Grund des Meeres auf Europa heiße Gasquellen geben könnte. Entsprechend wollen die Forscher den Wasserdampf möglichst bald detaillierten chemischen Analysen unterziehen, um Aufschlüsse zu erhalten.

Mikroben oder andere Lebensformen könnten freilich auch von der Erde mittels eines herausgesprengten Asteroiden zu Europa gelangt sein, wie erst diese Woche US-Forscher im Fachblatt Astrobiology vorrechneten. Tatsächlich gibt es auch einen konkreten Hinweis auf einen Einschlag, die am Freitag bei der Tagung der American Geophysical Union in den USA präsentiert wurden: Die bereits 2003 im Jupiter verglühte Sonde Galileo dürfte vor ihrem Ende Tonminerale auf Europas Eisoberfläche aufgespürt haben. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 14.12.2013)

  • Künstlerische Impression, wie auf Europa bis zu 200 Kilometer hohe Fontänen ausgestoßen werden. Im Hintergrund Jupiter.
    illu.: k. retherford

    Künstlerische Impression, wie auf Europa bis zu 200 Kilometer hohe Fontänen ausgestoßen werden. Im Hintergrund Jupiter.

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