Im "Ewigkeitendeland"

13. Dezember 2013, 17:41
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Im Projekttheater wird das Stück "Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne" gezeigt, das sich mit August Walla befasst

Feldkirch - Ein leerer Pool, zwei schräg gestellte Wände, die mit Bildern und Videos bespielt werden, und zwei Akteure, die bis zum 3. Akt stumm agieren. Susanne Lietzow widersetzte sich Theaternormen und inszenierte ein Stück, das auch ohne Dialog der Hauptfiguren funktioniert und das im Alten Hallenbad in Feldkirch Premiere feierte.

Thematisch aufgearbeitet hat Philipp Weiss in dem Auftragswerk des Projekttheaters Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne Leben und Werk zweier Künstler. August Walla, ein von Schaffensdrang getriebener Maler, und Ernst Herbeck, der leise Poet, der Gedichte nur auf Aufforderung seines Arztes schrieb. Gemeinsam ist beiden, dass sie Patienten der Landesnervenklinik Gugging waren. Weiss hat sein Stück in fünf Stationen gegliedert: "Vernichtung", "Verwahrung", "Verwandlung", "Verklärung" und "Vermarktung". Unter Einbeziehung von Texten der Künstler wagt er den Versuch, künstlerische Fragen in den Raum zu stellen, die jedoch für ihn unbeantwortbar bleiben. Denn in einer Gesellschaft, die dem "Wahnsinn" mit Angst begegnet, werden Menschen mit Krankheit weggesperrt oder verklärt.

Dass beide Figuren lange kein Wort sprechen, ist für ihn symbolhaft. Zwei entmündigte Menschen ohne Stimme. Dem entgegengesetzt nur ihre physische Präsenz und ihr künstlerisches Werk. Für die beiden Schauspieler stellte das alles eine Herausforderung dar. Während Walla (Dietmar Nigsch) zumindest zeitweise mit seiner Handtasche im Pool herumschlurft, verweilt Herbeck (Peter Badstübner) größtenteils in verkrampfter Haltung. In den eingespielten Videos geben Pfleger, Ärzte und Angehörige, unter anderem auch Wallas Mutter (Sylvia Bra), den beiden eine Stimme. Ein ehrliches Porträt über zwei Künstler, die ihre eigene Sprache kreierten. Ab 31. März ist das Stück im Schauspielhaus Wien zu sehen. (Nicole Wehinger, DER STANDARD, 14.12.2013)

  • Das Projekttheater bringt Philipp Weiss' Ideen zu Maler August Waller und Poet Ernst Herbeck.
    foto: weiss

    Das Projekttheater bringt Philipp Weiss' Ideen zu Maler August Waller und Poet Ernst Herbeck.

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