Was universitäre Gründungen stärken könnte

15. Dezember 2013, 18:35
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Um die Zahl universitärer Gründungen zu heben, gebe es viele Ansatzpunkte, so eine Analyse der Modul University Vienna für den Raum Wien. Einer davon sei der fehlende Zusatznutzen für Universitäten. Aber auch bei der finanziellen Unterstützung brauche es mehr

An Universitäten wird geforscht, experimentiert. Viele der gewonnenen Erkenntnisse können auch wirtschaftlich verwertet werden. Für diese sogenannten Spin-offs sind die Möglichkeiten in Wien grundsätzlich gut, heißt es in einer Analyse der Modul University Vienna im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien. Die Rahmenbedingungen könnten dennoch deutlich verbessert werden. Für den Studienautor und Leiter des Departement of Public Governance and Sustainable Development der Modul University, Harvey Goldstein, gibt es Hürden auf drei Ebenen - bei den potenziellen Gründern, bei den Universitäten sowie auf der Ebene der Stadt bzw. des Bundes.

So gebe es während der anfänglichen Gründungsphase zwar viele Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung (siehe Grafik). Optimierungsmöglichkeiten bestünden, so Goldstein, hier vor allem in der besseren Koordination der einzelnen Institutionen. Schwieriger werde es aber, Finanzmittel für die erste Wachstumsphase zu bekommen, weil alternative Unterstützungsmodelle wie Business Angels oder Venture Capital noch nicht ausreichend etabliert sind.

Fehlender Anreiz

Außerdem, so die Studie weiter, fehle den Universitäten auch ein Anreizsystem zur Verwertung der eigenen Forschungsergebnisse. Im internationalen Vergleich können österreichische Universitäten zwar in überdurchschnittlich vielen Bereichen autonom agieren. Eine entscheidende Hoheit, nämlich die budgetäre, fehle aber.

Damit der Wissensaustausch mit der Wirtschaft verbessert und die Verwertung von Forschungsergebnissen gestärkt werde, gibt es an den Unis die Technology Transfer Offices (TTOs). Bei den Verantwortlichen dieser Abteilungen herrsche, so die Analyse, Übereinstimmung darüber, dass Universitäten kaum Interesse hätten, Spin-offs zu unterstützen. Als wichtigster Grund wurde das Fehlen eines zusätzlichen Nutzens für die Universitäten genannt. Darüber hinaus werde die wirtschaftliche Nutzung aber auch nicht als wesentlicherer Auftrag der Universitäten gesehen.

Verbesserungspotenzial werde von den TTOs neben einer besseren finanziellen Unterstützung für Gründer durch Universitäten vor allem auch in der Lehre gesehen. Damit der Unternehmergeist geweckt werde, müssten Universitäten ihre Forscher viel stärker auch wirtschaftlichen Grundkenntnissen vermitteln.

Dennoch kann das universitäre Gründungsverhalten im direkten Vergleich mit München mithalten. In Wien wurden zwischen 2008 und 2012, laut Daten der Wirtschaftskammer, 113 Unternehmen aus dem universitären Umfeld gegründet, in München waren es 120.

Der Großteil der Gründungen (55 Prozent) wurde von Forschern der TU Wien vorgenommen, gefolgt von der Medizin-Uni Wien (zwölf Prozent) und der Uni Wien (elf Prozent). Biotechnologie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie waren die führenden Bereiche. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 14./15.12.2013)

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