Streaming-Dienste: Viel Musik, wenige Einnahmen

13. Dezember 2013, 10:47
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Zukunftstauglichkeit von Spotify und Co. umstritten – nur wenige Nutzer gehen Bezahl-Abos ein

Der Musik-Streamingdienst Spotify hat kürzlich ein Gratisangebot für Handys und Tablets angekündigt und konnte auch einen Deal mit der Band Led Zeppelin eingehen. Dazu betonte man, dass man seit der eigenen Gründung 2006 mittlerweile eine Milliarde Dollar an die Musikindustrie ausgezahlt hätte. Allein heuer wurden 4,5 Milliarden Stunden Musik von den Usern gestreamt.

Unklar ist allerdings, wie viele Nutzer Spotify derzeit insgesamt hat und wie hoch der Anteil jener ist, die dafür zahlen. Mit solchen Infos hält sich das Unternehmen stets zurück. Zuletzt hörte man im März, dass Spotify 24 Millionen Nutzer zählte, wovon sechs Millionen zahlende Abonnenten waren.

Hoffnungsträger

Spotify Pandora, iTunes Radio oder Google Play All Access gelten als Hoffnung für die unter Druck stehende Musikindustrie. Sie locken, wie Spotify Free, Kunden mit werbegestützten Gratisangeboten und versuchen sie schließlich zur Zahlung von Abogebühren zu bewegen. Einige Branchengrößen sehen das Nutzerverhalten mittlerweile im Wandel begriffen – weg vom analog oder digital gekauften Werk hin zu Music-on-Demand, wie die New York Times berichtet.

Geringe Zahlungsbereitschaft

Doch genau die Konvertierung von kostenlos hörenden zu zahlenden Kunden scheint noch ein Problem darzustellen. Pandora, bislang der einzige öffentlich gehandelte Streamingdienst, beliefert 70 Millionen Nutzer monatlich mit rund 1,5 Milliarden Stunden Musik. Der Großteil hört gratis zu, muss aber Werbeunterbrechungen hinnehmen. Nur drei Millionen entrichten Abogebühren.

Eine durchaus kontroverse Meinung dazu steuert der auf digitale Musik spezialisierte Berater Ted Cohen bei. "Es gibt diesen irrationalen Widerstand bei den Leuten, ihre Kreditkarte für Streamingdienste zu zücken", erklärt er. "Wir schreiben 13 Jahre nach dem 'Musik ist kostenlos'-Napster-Phänomen und es ist schwer, die Leute wieder zur Ansicht zu bewegen, dass Musik wenigstens soviel wert ist, wie eine Tasse Starbucks-Kaffee pro Woche." Aktuell ist YouTube die unter Jugendlichen beliebteste Plattform zum Anhören von Musik.

Markt wird umkämpfter

Bestehende Streamingplattformen kämpfen nicht nur um den Eintritt in die Gewinnzone, sondern auch mit einem immer herausfordernder werdenden Markt. Im Januar steigt Beats Music in den US-Markt ein, auch YouTube und Deezer sollen folgen. Neben Spotify existiert mit Rdio, Google Play All Access, Xbox Music, Sony Music Unlimited und Rhapsody bereits ein reichhaltiges Angebot.

Manche der Neuen dürften auch mit kostenlosen Varianten des eigenen Angebots aufwarten. Spotify will überdies mit Exklusiv-Verträgen punkten.

Während sich zahlreiche Musiker darüber beschweren, dass Spotify und Co. zu geringe Einnahmen bescheren, ist man unter den Betreibern der Ansicht, dass der Markt noch jung ist und noch viel Potenzial bietet. 2012 trug Streaming eine Milliarde Dollar zu den Einnahmen der Musikbranche in den USA bei – ein Wachstum von 59 Prozent im Vergleich zu Vorjahr. Digitale und physische Verkäufe erwirtschafteten 5,6 Milliarden. 2014 soll Streaming noch stärker zulegen, die Verkäufe von CDs und Downloads wiederum dürften schwinden.

Ein tragfähiges Geschäftsmodell?

Musikmanager und Analysten schätzen, dass es in den USA aktuell etwas mehr als fünf Millionen User gibt, die ein kostenpflichtiges Musik-Streaming-Abo abgeschlossen haben. Eine Zahl, die im Vergleich mit Video-on-Demand-Angeboten wie Netflix (31 Millionen Abonnenten) oder dem Satellitenradio-Betreiber Sirius XM (mehr als 25 Millionen) noch sehr ausbaufähig ist.

Das gestreamte Musik für die Anbieter alleine ausreicht, um genug zahlungswillige Kunden zu finden, wird sogar von einigen Experten bezweifeln. Dass werbefinanzierte Angebote das Überleben sichern können, halten diese ebenfalls für zweifelhaft. Manche sehen möglichen Erfolg darin, Streaming als Unterstützung für gewinnträchtigere Geschäftsmodelle einzusetzen – so wie Apple damit etwa die Nachfrage nach der eigenen Elektronik erhöht.

"Musik ist ein Begleiter für das Joggen, für den Arbeitstag, für das Kochen", erklärt Forrester-Analyst James McQuivey. "Aber es ist nichts, wofür man gerne zahlt, wenn man nicht muss."

Keine Angst

Spotify-Chef Daniel Ek fürchtet sich derweil nicht vor der aufkeimenden Konkurrenz am Markt. Er verweist darauf, dass es diese auch schon gab, als Spotify vor sieben Jahren gestartet ist. Jedoch, viele davon – wie etwa MySpace Music oder Napster – spielen heute keine Rolle mehr oder sind komplett verschwunden. Er selbst fühle sich der Rolle des Gejagten ohnehin wohler, als als Herausforderer. (red, derStandard.at, 13.12.2013)

  • Ob Musik-Streaming ein tragfähiges Geschäftsmodell ist, muss sich erst noch zeigen.
    foto: magstefan / sxc.hu/photo/752454

    Ob Musik-Streaming ein tragfähiges Geschäftsmodell ist, muss sich erst noch zeigen.

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