Reisebranche baut auf Schwule und Lesben

13. Dezember 2013, 12:34
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Schwule und Lesben reisen anders und haben auch andere Ansprüche. Für die Reiseindustrie ist diese Zielgruppe ein willkommener Kunde

Die Reiseindustrie hat die Gruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) schon längst für sich entdeckt. Und das Potenzial, das sich hier bietet ist tatsächlich viel versprechend. Global Communication Experts und Pangaeanetwork haben eine Umfrage zum Thema gestartet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass 87 Prozent der deutschen Reiseveranstalter und Reisemittler Kunden aus dieser Personengruppe haben. Im Vergleich zu Großbritannien (75 Prozent), Spanien (73 Prozent), Italien (68 Prozent) und Frankreich (51 Prozent) liegt Deutschland damit an erster Stelle.

Für die Reiseveranstalter bedeutet diese Zielgruppe vor allem zahlungsfähige Kunden zu bedienen, die sich den Urlaub gerne etwas mehr kosten lassen. Durchschnittlich liegen die Reiseausgaben der Gay-Kunden pro Person zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Bei den Befragten in Deutschland tragen sie zu über 20 Prozent des Umsatzes bei. Für den Großteil der Reiseveranstalter unterscheiden sich schwule Kunden in ihren Ansprüchen nicht von anderen Kunden (71 Prozent). Am ehesten ist man noch in Deutschland der Meinung, dass es Unterschiede gibt (47 Prozent), am wenigsten in Großbritannien (22 Prozent).

New York, Barcelona, Berlin

Am liebsten wird eine Kombination aus Flug und Hotel gebucht, wobei Mykonos, Gran Canaria, Ibiza, Spanien und Thailand zu den favorisierten Reisezielen gehören. Beim Städteurlaub zieht es LGBT-Touristen in erster Linie nach New York, Barcelona und Berlin.

Ein aufregendes Nachtleben ist für viele der entscheidende Faktor, wenn es um die Wahl des Urlaubsziels geht. In besonderer Partylaune sind die Briten mit 65 Prozent, gefolgt von den Deutschen (60 Prozent) und den Italienern (55 Prozent). Die Deutschen schätzen zudem Angebote aus dem Spa- und Wellness-Bereich. Strandurlaub ist für die Briten noch besonders interessant und sowohl deutsche auch als spanische LGBT-Touristen suchen im Urlaub nach Kunst und Kultur.

Schwulenfreundlich aber nicht "gay-only"

Bei der Unterkunft legen 43 Prozent der europäischen Gay-Kunden besonders viel Wert auf ein schwulenfreundliches Hotel, 43 Prozent ist es egal, ob das Hotel schwulenfreundlich ist oder nicht. Vor allem den Briten ist es wichtig, dass ihr Hotel gayfriendly ist (54 Prozent). Die Deutschen legen darauf nicht so viel Wert (36 Prozent). Wenn es allerdings darum geht, ein "gay-only"-Hotel zu buchen, sind die Deutschen vorne auf (neun Prozent), wohin gegen die Spanier und Franzosen (fünf Prozent) sowie die Briten und Italiener (vier Prozent) weniger Wert darauf legen, unter sich zu sein.

Es gibt Veranstalter, die sich auf Gay-Reisen spezialisiert haben. Vor allem Spanier und  Franzosen fragen häufig bei diesen Reiseveranstaltern an. Weniger interessieren sich die Deutschen für diese Angebote. In deutschen Reisebüros werden allerdings besonders viele Produkte verkauft, die auf LGBT-Reisen zugeschnitten sind (60 Prozent), in Frankreich bieten nur zehn Prozent der Reiseverkäufer diese Produkte an.

Die Mehrheit der Veranstalter ist übrigens davon überzeugt, dass sich andere Urlauber davon nicht irritieren lassen, wenn Anlagen oder Angebote als "schwulenfreundlich" gekennzeichnet sind, über die Hälfte hält es sogar für wichtig, sich ausdrücklich als "schwulenfreundlich" zu präsentieren, um die Zielgruppe zu gewinnen.

Fast alle Befragten (98 Prozent) sind davon überzeugt, dass Gay Reisen noch immer ein Wachstumspotential haben. Um dieser Entwicklung nicht hinterher zu hinken, wollen 87 Prozent ihr Wissen zum Thema erweitern, in Spanien sind es sogar 100 Prozent. (todt, derStandard.at, 12.12.2013)

  • LGBT-Reisen sind ein potenzieller Wachstumsmarkt.

    LGBT-Reisen sind ein potenzieller Wachstumsmarkt.

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