Lufsig, der Ikea-Plüschheld der Opposition in Hongkong

12. Dezember 2013, 15:58
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Ein Stofftier von Ikea mit doppeldeutigem Namen wurde über Nacht zur Symbolfigur der chinesischen Opposition. Das Möbelhaus macht nun einen Rückzieher und entschuldigt sich

Schlechte Nachrichten für die Fans von Lufsig, jenem Ikea-Plüschwolf, der es binnen Stunden zum Symbol der Opposition in Hongkong gebracht hatte. Laut South China Morning Post macht der schwedische Möbelhändler jetzt Schluss mit der politischen Vereinnahmung seines Spielzeugs und will den Namen ändern.

Am vergangenen Samstag hatte ein empörter Hongkonger das Stofftier nach dem Regierungschef Leung Chun-Ying geworfen, die Szene wurde im Fernsehen übertragen. Nicht nur, dass Leung im Spitznamen "Wolf" genannt wird - das schwedische Kunstwort Lufsig ist im südchinesischen Kantonesisch auch gleichbedeutend mit einem Schimpfwort für die Vagina. 

Lufsig auch in China populär

Schon am Dienstag war das gute Tier ausverkauft. Zu hunderten seien Menschen vor den Kaufhaustüren gestanden, um das plüschige Wurfgeschoß mit dem klingenden Namen zu erstehen, schreibt Ikea in einer Aussendung.  Facebook-Gruppen wurden gegründet, um Lufsigs Aufstieg zu beschleunigen, auf Twitter zeigen sich Regierungsgegner auf Fotos mit dem Tier des Widerstands, selbst auf dem Tian‘anmen–Platz in Peking wurde Lufsig gesichtet. Angeblich ist der Plüschwolf mittlerweile auch im restlichen China sowie in Taiwan ein Verkaufsschlager. 

Ein Sprecher von Ikea betonte, wie sehr das Möbelhaus den Vorfall bedauere und löschte den unsäglichen Namens-Fauxpas von der Homepage. "Es ist nicht unsere Intention, dass Produktnamen Rückschlüsse auf Politik oder Religion zulassen", sagte der Sprecher. Leung ließ sich den bösen Wolf kurzerhand in sein Büro bringen und postete das Bild auf seinem eigenen Blog.

Nächstes Fettnäpfchen im Netz

Es sei ein tolles Spielzeug für seine Tochter und die Hongkonger für ihre Kreativität zu loben, schrieb er zum Bild. Der Versuch ging allerdings nach hinten los. Nun amüsiert sich die Netzgemeinde darüber, dass Leung auf dem Foto einen Bericht über einen Sexskandal zwischen dem Bürgermeister von Auckland und einer prominenten Frau aus Hongkong in der Hand hält.  

Hongkong hat seit 1997 einen halbautonomen Status innerhalb Chinas, nachdem es zuvor britische Kolonie war. Leung Chun-Yin wurde 2011 von einem Pekingnahen Komitee zum Chef der Sonderverwaltungszone ernannt. Seither gibt es immer wieder Proteste gegen die Regierung, die etwa regierungskritischen Medien die Lizenzen entzogen hat. (Julia Herrnböck, derStandard, 12. Dezember 2013)

  • Ist schon ausverkauft - Lufsig, der bald anders heißen wird.
    foto: ikea

    Ist schon ausverkauft - Lufsig, der bald anders heißen wird.

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