Youtube: Rechteinhaber nehmen Spielevideos unter Beschuss

12. Dezember 2013, 13:55
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Flut an Copyright-Forderungen drehen Youtubern den Geldhahn ab

Die Ausweitung des Urheberrechtsüberprüfungssystems (Contend ID Scanning) auf Multi-Channel-Network-Partner (MCN) hat zu einer Welle von Copyright-Forderungen bei hunderten Youtubern geführt, die in ihren Beiträgen Videospiele vorstellen oder rezensieren. Durch die Forderungen wird den Youtubern die Möglichkeit entzogen, mit ihren produzierten Videos Werbegelder zu lukrieren. In einem Forenbeitrag auf NeoGAF und auf sozialen Medien wie Twitter berichten nicht nur Betreiber kleinerer Channels und so genannte "Let's Player", die vor der Kamera spielen und kommentieren, von massiven Problemen und Umsatzeinbrüchen, sondern auch etablierte Seiten mit Millionen Followern.  

Konfuse Situation

"Wir haben kürzlich Content ID Scanning auf Kanälen ermöglicht, die als Partner von MCNs identifiziert wurden. Dies resultierte in neuen Urheberrechtsansprüchen, die auf den Richtlinien der betroffenen Rechteinhaber basieren", heißt es in einer Stellungnahme des Youtube-Betreibers Google. "Wie immer können Betreiber Urheberrechtsforderungen einfach zurückweisen, sofern sie glauben, dass diese Forderungen nicht rechtens sind."

Das große Problem dabei: In den vielen Fällen sind es nicht die Spielhersteller selbst, die Einspruch erheben, sondern Rechteverwerter von Musik und anderen Inhalten, die in den Spielen vorkommen. In einer Reaktion auf das Chaos waren zahlreiche Studios über Twitter zur Stelle, um Youtuber zu ihren Problemen zu befragen. In einer Stellungnahme erklärte beispielsweise Ubisoft, dass man nicht gegen Betreiber von Spiele-Channels vorgehen wolle und den Youtubern helfen werde, ihre Probleme zu lösen. Das Statement gibt auch einen Hinweis darauf, dass viele der Copyright-Forderungen von Seiten der Musikverwerter kommen. Andere Hersteller wie Nintendo wiederum erklärten bereits im Vorfeld, künftig gegen die Monetarisierung von Let's Play-Videos vorgehen zu wollen.

Schneeballeffekt

Die massenhaften Urheberrechtsforderungen und die damit möglicherweise dauerhafte Hinderung bisheriger Einnahmen könnte sich dabei wie ein Schneeballeffekt auf die Youtube-Gemeinde auswirken. Einzelne Youtuber, die über Spiele berichten, können mit einigen hundertausend Abonnenten im Monat mehrere Tausend Dollar an Werbegeldern einnehmen. Die meisten davon sind Teil eines Multi-Channel-Networks (wie etwa Machinima), die für die Betreuung und Popularisierung der Youtuber einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen erhalten (je nach Vertrag etwa 10 bis 30 Prozent). Für MCNs wird das Geschäft daher erst so richtig lukrativ, wenn sie sehr viele Youtuber unter Vertrag haben und diese gut Umsatz machen.

Aber auch für Spielhersteller ist diese Form der medialen Aufmerksamkeit von Vorteil. So lange ein Werk nicht verrissen wird, produzieren Let's Player mit ihren Wochen füllenden Inhalten kostenlose Werbung für Produkte und erreichen damit Seherzahlen, für die die Hersteller normalerweise tief in die Tasche greifen müssen. Nimmt man diesen Youtubern ihre Einnahmequelle (Werbeerlöse), rentiert sich diese Arbeit zumindest finanziell nicht mehr. (zw, derStandard.at, 12.12.2013)

  • Sind Sie Youtuber und hatten schon einmal Probleme mit Copyright-Forderungen?
    foto: youtube

    Sind Sie Youtuber und hatten schon einmal Probleme mit Copyright-Forderungen?

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