Von Herbert über Meese zu Finnegans Wake

11. Dezember 2013, 17:10
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Stefan Sandner zeigt in der Galerie Meyer Kainer seine - nicht gänzlich - "gegenstandslose Welt"

Wien - Auf den ersten Blick wirken die Bilder von Stefan Sandner, als hätte er sie mal schnell auf die Leinwand "gekritzelt": Die zeichenhaften Informationen sind zum Teil extrem reduziert und kryptisch verschlüsselt. Zum Teil hat der Künstler die Skizzen und Texte aber auch aus dem Alltag gegriffen oder auf jenen Post-its gefunden, die er nun schon seit längerem auf großformatige Leinwände überträgt.

In der Nachfolge analytischer Maler (wie etwa Ellsworth Kelly) interessiert sich der Künstler dabei zwar nicht für eine persönliche Handschrift - dennoch kehrt er mit Farbschlieren oder auch -tropfen den malerischen Prozess und damit den Unterschied zu seinen sorgfältig ausgewählten, jedoch eher banalen Bildvorlagen hervor.

In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Meyer Kainer gehören dazu etwa ein persönliches Autogramm von Jonathan Meese ("Lieber Herbert, ich bin, nicht, Jonathan Meese, 28. 11 2012") oder aber auch eine Liste (u. a. stehen da untereinander die Begriffe "Titel", "Jahreszahl", "Herkunft" etc.), die einer nüchternen Bestandsaufnahme eines Kunstwerks gleicht.

Zwischen diesen auf Text basierenden Bildern tauchen in seiner Ausstellung Die gegenstandslose Welt außerdem gedankenverlorene Kritzeleien, räumliche Skizzen oder aber auch Körperfragmente auf: Darunter etwa ein eher naiv gezeichneter männlicher "Sixpack", den man eher der Hand eines Teenagers zuschreiben würde. Daneben ein auf Leinwand transformierter "Zettel", den offenbar verschiedene Leute mit Filzstift bearbeitet haben.

Zur Auflockerung hat der konzeptuell agierende Maler auch eine monochrome rosafarbene Fläche in die Präsentation integriert - in Sandners Fall geht es dabei aber nie um die Schärfung von Wahrnehmung oder gar um einen expressiven gestischen Ausdruck.

Vielmehr geht es dem Künstler immer wieder um Fragen der Autorschaft und natürlich um eine Umwertung des Verhältnisses zwischen Original und seiner Kopie: So steht etwa die Frage im Raum, in welcher Form das krakelige Meese-Zitat wertvoller ist. Und gleich daneben sieht man die Antwort, wenn einem der Künstler mit einer Zeichnung aus Finnegans Wake (James Joyce) die lange Nase zeigt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 12.12.2013)

Bis 18. 1. Galerie Meyer Kainer
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien
www.meyerkainer.com

  • Notizen, Skizzen, Kritzeleien - von sich und anderen - überträgt Stefan Sandner (geb. 1968) auf Leinwand und stellt Fragen nach dem Wert der Autorschaft. 
    foto: galerie meyer kainer

    Notizen, Skizzen, Kritzeleien - von sich und anderen - überträgt Stefan Sandner (geb. 1968) auf Leinwand und stellt Fragen nach dem Wert der Autorschaft. 

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