"Der Clan": Weil Wagner nicht sterben darf

Ansichtssache13. Dezember 2013, 17:00
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ORF 2 beendet das Jubiläumsjahr am Samstag mit einer Familiensaga des Bayreuther Hausherrn

Die Ouvertüre ist kurz gehalten. Ein Kameraflug über Venedigs nächtliche Lagune, Fahrt durchs Fenster ins Innere eines Palazzos. Kinder toben lärmend durch die Gänge. Deren Gelächter wird unterbrochen durch einen Mark und Bein erschütternden Schmerzensschrei. Die Witwe liegt an der Brust des Toten, flüstert: „Du darfst nicht sterben.“

foto: orf/mona film/hannes hubach

Der Tod Richard Wagners steht am Beginn von Der Clan. Die Geschichte der Familie Wagner, Samstag, 20.15 Uhr, ORF 2. Als seine Frau Cosima Wagner sich vom Schrecken erholt hat – und das geht schnell – ist der Plan gefasst: „Er soll unsterblich werden.“ Danach setzt der Walkürenritt ein, und ein tragendes Filmthema ist in wenigen Momenten erklärt. Die nächsten 100 Minuten verfolgt Cosima mit eisernem Willen und fest zusammengepressten Lippen ihre Mission.

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foto: orf/mona film/hannes hubach

Mit dem Willen zur schauspielerischen Größe interpretiert Iris Berben die entschlossene Frauenfigur, die fortan wie eine Löwin um Wagners Vermächtnis und um die Führung der Bayreuther Festspiele kämpft. Mit den grauen Schläfen von Frankensteins Großmutter und der Bedeutungsschwere  einer  überfrachteten Wagner-Oper hat Christiane Balthasar nach den modernen Regeln des Hochglanz-Fernsehens inszeniert.

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foto: orf/mona film/hannes hubach

Blutarm ist diese Oper nicht geraten, dafür sorgt unter anderem Heino Ferch als notgeiler Houston Chamberlain. Dieser wird nicht müde, seine Rassentheorie zu bewerben, daneben lüpft er den schwarzen Mantel der trauernden Witwe und macht gleichzeitig deren Tochter den Hof. Das Ganze schaukelt sich schließlich hoch bis zur kollektiven Ejakulation. Da bricht nicht nur das Bett zusammen.

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foto: orf/mona film/hannes hubach

Es steckt viel Pathos und intensiv zur Schau gestellte Verbitterung im Clan. Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander. Im Fernsehen kommt es mitunter zur Verschmelzung. (Doris Priesching, DER STANDARD, 14-/15.12.2013)

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