Jazzgitarrist Jim Hall gestorben

11. Dezember 2013, 17:00
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Der subtile Lyriker der Jazzgitarre spielte u. a. mit Art Farmer, Sonny Rollins, Ron Carter, Paul Desmond und Pianist Bill Evans

New York - Instrumentaltechnik kann im Sinne markanter Aussagen zum Einsatz kommen oder dazu dienen, Ideenmangel durch ein Übermaß an Noten zu verdecken. Gitarrist Jim Hall, 1930 in Buffalo geboren, hatte Ideen. Folglich konnte er sich auf eine Art aphoristischer Gelassenheit zurückziehen - in der Gewissheit, sein lyrischer Ton würde in Verbindung mit überraschenden Statements seine Wirkung entfalten.

Ob im Rahmen eines Neuarrangements des 2. Satzes von Rodrigos Concierto de Aranjuez (auf dem Album Concierto) oder etwa bei einem Song-Klassiker wie Angel Eyes (auf Jim Hall live aus 1975) - mit kurzen Einwürfen vermochte Hall nicht nur Substanz zu erzeugen. Er verzauberte gleichsam die Atmosphäre der Musik. Dieses subtile Inszenieren großer Momente zeigt ihn auf der gestalterischen Höhe des Trompeten-Lyrikers Miles Davis, den Hall auch als Einfluss nannte, mit dem er jedoch nie zusammengearbeitet hat. Davis hatte sich zwar gemeldet, Hall hatte jedoch andere Verpflichtungen und empfahl, George Benson anzurufen. Was Davis auch tat.

Einerseits schade, dass aus dem Duo Hall/Davis nichts wurde. Andererseits kam Hall im Laufe seiner Karriere doch auf eine Menge interessanter Kooperationen. Er spielte u. a. mit Art Farmer, Sonny Rollins, Ron Carter, Paul Desmond und Pianist Bill Evans. Mit letzterem nahm er Klassiker wie etwa das Album Undercurrent auf. Hall hatte auch eine kompositorische Seite und schrieb nicht nur Songs, sondern auch Orchestermusik, die sich an Schönberg und Bartók ebenso wie an Schostakowitsch orientierte.

In die Historie geht er allerdings vor allem als poetischer Improvisationscharmeur ein, der nicht folgenlos blieb. Hört man arrivierte Gitarristen wie John Abercrombie, Bill Frisell, Pat Metheny oder John Scofield, entdeckt man unschwer Halls Einfluss - in Form einer unaufgeregt-eindringlichen Eleganz.

Jim Hall ist am Dienstag in seinem Haus in New York 83-jährig an Herzversagen gestorben. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 12.12.2013)

  • Jim Hall - Meister des zarten Jazzgedankens.
    foto: ap/eric risberg

    Jim Hall - Meister des zarten Jazzgedankens.

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