Heer gedenkt sowjetischer Kriegsopfer

11. Dezember 2013, 08:51
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Rund 10.000 Tote in Lagern bei Kasernen in Spittal/Drau und St. Johann / Pongau

Klagenfurt/Salzburg - Militärmusik, Ehrengarde, Abordnungen des Kameradschaftsbundes, der Salzburger Militärkommandant Heinz Hufler und der russische Generalkonsul Sergej Smirnov: Mit einer großen militärischen Zeremonie hat das Bundesheer am Tag der Menschenrechte jenen 3600 Opfern der Roten Armee gedacht, die zwischen 1941 und 1945 im St. Johanner Kriegsgefangenenlager "Stalag XVIII-C" ums Leben gekommen sind.

In Zukunft wird eine Gedenktafel am Eingang der Krobatin-Kaserne an das Schicksal der Gefangenen erinnern. Der Pongauer Historiker Michael Mooslechner hat die Geschichte des Lagers recherchiert: Insgesamt mussten in dem völlig überbelegten Lager bis Kriegsende 20.000 Inhaftierte ausharren. Mit 10.000 Mann hatten die Franzosen den größten Anteil.

Gemäß der NS-Rassenideologie seien sie aber vergleichsweise gut behandelt worden. Schlecht sei es hingegen den sowjetischen Soldaten ergangen, als Slawen für die Nazis minderwertige Menschen.

Wie sich die unterschiedliche Behandlung durch die Wehrmacht ausgewirkt habe, verdeutlichten die Opferzahlen, erläuterte Mooslechner in seiner Rede bei der Enthüllung der Gedenktafel: Von den französischen Gefangenen seien von Juli 1941 bis Kriegsende 15 gestorben. Von den Russen und Ukrainern wären 3600 ums Leben gekommen. Es sei "bedauerlich, dass der Text dieser Gedenktafel sehr allgemein formuliert ist und nicht auf die konkreten 3600 Opfer der Roten Armee eingeht", merkte Mooslechner am Dienstag kritisch an.

Der Militärkommandant von Salzburg, Heinz Hufler, betonte in seiner Ansprache die Notwendigkeit, die gesamte Geschichte der NS-Diktatur "ohne Wenn und Aber" aufzuarbeiten. "Die NS-Zeit ist für das Bundesheer nicht traditionsbildend." Sehr wohl aber wäre dies die Geschichte der Opfer und der Verfolgten.

Auch in der Türk-Kaserne in Spittal/Drau gedachte das Bundesheer der Opfer des NS-Kriegsgefangenenlagers, das sich auf dem Kasernenareal befunden hatte. Hier wurde in einer schlichten Feier ein Gedenkstein enthüllt, der an die Leiden der alliierten, vor allem sowjetischen, Kriegsgefangenen erinnert.

6000 Tote in Massengräbern

Wie im Pongauer St. Johann ist der erste Bahntransport sowjetischer Kriegsgefangener im November 1941 eingetroffen. Als die Türen der Viehwagons geöffnet wurden, fielen zuerst dutzende Tote heraus.

Die Überlebenden starben meist wenig später an Unterernährung, an Krankheiten, bei medizinischen Versuchen oder wurden totgeprügelt. Laut Angaben des Schwarzen Kreuzes sollen in den Massengräbern der "Russenfriedhöfe" südlich der Türk-Kaserne rund 6000 Kriegsgefangene begraben sein. (neu, stein, DER STANDARD, 11.12.2013)

  • Der orthodoxe Priester Georgi Kharlov, Brigadier Heinz Hufler und der Historiker Michael Mooslechner (v. li.) mit der Tafel in St. Johann.
    foto: bundesheer

    Der orthodoxe Priester Georgi Kharlov, Brigadier Heinz Hufler und der Historiker Michael Mooslechner (v. li.) mit der Tafel in St. Johann.

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