Die blauen M&M's im Schwimmbecken

10. Dezember 2013, 22:29
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Klemens Wassermann beschleunigt die Diagnose von Bakterien im Blut

Bakterien im Blut, das sei wie ein paar Nadeln in einem riesigen Heuhaufen. Oder noch besser: "Stellen Sie sich ein olympisches Schwimmbecken vor", sagt Klemens Wassermann, "da sind sechs Milliarden rote M&M's drin, das wären die roten Blutkörperchen in einem Milliliter Blut. Und nun sollen Sie unter ihnen ein paar hundert blaue M&M's finden: die Bakterien."

Wassermann findet sie um einiges schneller als bisher üblich. Er hält den Prototyp eines Geräts in der Hand, den er entwickelt hat und mit dem er die Dauer einer Infektionsdiagnose von Tagen auf Stunden reduzieren kann. Es ist ein Zylinder ungefähr von der Größe einer alten Filmpatrone. Angeschlossen ist eine handelsübliche Batterie, die den Strom für die Blutanalyse liefert.

Mit diesem Demonstrationsobjekt und einer kurzen Erläuterung seiner Wirkungsweise ist Wassermann einer von drei Siegern des diesjährigen "Falling Walls Lab" geworden, eines Forschungswettbewerbs, zu dem 100 junge Wissenschafter aus aller Welt in Berlin angetreten sind. Das erhöht seine Chance auf eine baldige praktische Anwendung seiner Arbeit. Es stellt auch ein bedeutendes Kapitel seiner bisherigen Karriere dar.

Der gebürtige Wiener (29) studierte Biologie, Mikrobiologie und Genetik an der Wiener Uni, schrieb seine Diplomarbeit am Krebsinstitut der Harvard Medical School und ist seit eineinhalb Jahren Research Fellow in der Abteilung Molekulardiagnostik des Austrian Institute of Technology (AIT).

Dort arbeitet er an seiner Dissertation: "Lab-on-a-chip for pathogen detection from blood", also die Miniaturisierung eines mikrobiologischen Verfahrens. Und genau darum geht es bei dem Prototyp in seiner Hand.

"Das funktioniert mithilfe spezifischer elektrischer Felder", sagt er, "die so beschaffen sind, dass die Blutzellen zwischen den Elektroden platzen, aber nicht die Bakterien." Die Bakterien würden dann auf einem Filter konzentriert übrigbleiben und könnten innerhalb weniger Stunden identifiziert werden: eine bedeutende Vereinfachung bei der Entdeckung von Keimen aller Art, also bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Zwar gibt es, so der Forscher, relativ schnelle Analysegeräte auf dem Markt, die sich allerdings molekularbiologischer Prinzipien bedienen. "Die sind nicht sensitiv genug - sie liefern zu oft falsche positive oder negative Ergebnisse und werden daher von den Ärzten nicht ernst genommen."

Ein weiterer für die Anwendung wichtiger Punkt sei, dass das Gerät, wenn es erst einmal industriell produziert wird, weniger als zwei Euro kosten könnte. Als ersten Schritt in diese Richtung haben der Forscher und das AIT die Analysemethode im September zum Patent angemeldet. In einem Jahr könnte aus dem Modell ein Serienprodukt werden, Wassermann und seine Kollegen sind bereits mit einigen Firmen im Gespräch.

Teamplayer ist er auch abseits des Labors. Neben seinen im Lebenslauf gelisteten Aktivitäten Tauchen, Tennis, Literatur und Surfen steht zu lesen, dass er für die Eishockey-Mannschaft HC 48er, mehrfacher Liga-Sieger, das Tor hütet. (Michael Freund, DER STANDARD, 11.12.2013)


Die Reise zum Berliner Falling Walls Lab wurde von dessen Sponsor A. T. Kearney unterstützt.

Link
www.ait.ac.at

  • Setzt Blut unter Spannung: Klemens Wassermann.
    foto: freund

    Setzt Blut unter Spannung: Klemens Wassermann.

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