Eisenhower und die IAEA-Gründungsidee

10. Dezember 2013, 18:13
posten

Vor sechzig Jahren hielt der US-Präsident in der Uno seine "Atoms for Peace"-Rede

Wien - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die die technische Umsetzung des Iran-Atomdeals zu gewährleisten hat, gedenkt dieser Tage des Jubiläums ihrer Gründungsidee: Am 8. Dezember 1953 hielt US-Präsident Dwight D. Eisenhower in der Uno in New York seine "Atoms for Peace"-Rede, in der er die Schaffung einer Organisation vorschlug, die der zivilen Entwicklung der Atomenergie weltweit dienen sollte. Eisenhowers damals präsentiertes Konzept wurde nicht eins zu eins umgesetzt - so sollten etwa laut seiner Rede die Atomstaaten von ihren eigenen Beständen spaltbares Material an die neue Behörde abgeben, das diese dann zum Wohl aller einsetzen würde. Aber immerhin erfolgte vier Jahre später die IAEA-Gründung, im tiefsten Kalten Krieg.

Beide, USA und Sowjetunion, waren sich der Notwendigkeit, die Entwicklung des Atoms zu kontrollieren, bewusst. Die USA hatten sich, nachdem sie 1945 die Bombe zweimal eingesetzt hatten, bereits ab 1946 mit der Frage der Einhegung der Atomtechnologie beschäftigt (Achelson-Lilienthal-Plan, Baruch-Plan) - spätestens mit dem ersten sowjetischen Bombentest 1949 waren alle diesbezüglichen Illusionen erledigt.

Am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien beschäftigt sich ein von Elisabeth Röhrlich betreutes "IAEA History Research Project" mit der Atombehörde - was umso begrüßenswerter ist, als die internationalen Organisationen in "Transdanubien" diesseits der Donau noch immer oft als fremder Planet wahrgenommen werden. Bei einer Veranstaltung im Kreisky-Forum für Internationale Politik wurde Geschichte und Gegenwart von "Atoms for Peace" kritisch beleuchtet.

Teilnehmer Joseph F. Pilat vom Los Alamos National Laboratory, der wichtigsten US-Atomforschungsstätte, sprach mit dem Standard (wie er betonte, als Privatperson) über das "Atoms for Peace"-Konzept. Der Frage, ob nicht der Grundirrtum gewesen sei zu glauben, dass man die zivile und die militärische Anwendung des Atoms säuberlich getrennt halten könne, hält Pilat entgegen: "Die ,dual use'-Natur - dass zivile Atomtechnologie für militärische Zwecke genützt werden könnte - war allen sehr wohl bewusst. Es ging darum, das Gute, das sie von der Atomenergie erwarteten - und das war damals eine Menge: Strom, der so billig ist, dass man ihn nicht messen kann, atombetriebene Flugzeuge, Autos und anderes mehr -, zugänglich zu machen, aber eben mit dem Deal, auf militärische Anwendung zu verzichten und Inspektionen zuzulassen." Man könne darüber streiten, ob das gelungen sei. Unbestreitbar ist auch, dass es bis zu einem gewissen Grad den Prozess angetrieben hat.

Die Frage ist heute, ob "Atoms for Peace" mit seinen Abkömmlingen IAEA und Atomwaffensperrvertrag (NPT) auch in Zukunft als Basis für einen Konsens für eine Atompolitik taugen kann. Pilat: "Es ist das, was wir haben." Einen völlig neuen Konsens zu finden wäre nicht einfach - und die Instrumente für die wichtigsten nuklearen Probleme sind heute vorhanden, von Proliferationsfragen über die Atomsicherheit bis zur Bekämpfung von Nuklearterrorismus, eine Aufgabe, die ursprünglich nicht vorgesehen war.

Recht auf Technologien

Der NPT wird jedoch in Dauerkrise gesehen, nicht nur wegen der realen und verdächtigen Verletzungen durch Staaten wie Irak, Nordkorea, Libyen und Iran, sondern auch wegen des Ausbleibens der ebenfalls im NPT verankerten Abrüstungsschritte der fünf offiziellen Atomwaffenstaaten. Drei Waffenstaaten - Indien, Pakistan und Israel - bleiben ja überhaupt draußen. Die Frage, welche Technologien einem NPT-Unterzeichnerland als Recht zustehen, hat seit dem Streit über das iranische Urananreicherungsprogramm vermehrt Relevanz. In den letzten Jahren werden vermehrt Konzepte einer internationalen Uran-Bank diskutiert. So schließt sich der Kreis zur "Atoms for Peace"-Rede Eisenhowers. (guha, DER STANDARD, 11.12.2013)

  • Joseph Pilat: Eisenhower wollte das Gute des Atoms zugänglich machen.
    screenshot: c-span

    Joseph Pilat: Eisenhower wollte das Gute des Atoms zugänglich machen.

Share if you care.