Fußgängerzone Zollergasse: "Etwas für den Bezirk tun"

Interview11. Dezember 2013, 05:30
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Geschäftstreibende fordern, dass die an die Mariahilfer Straße angebundene Gasse ebenfalls autofrei wird

"Fuzo Zollergasse statt Autos" - so nennt sich eine Facebook-Gruppe, die nach der Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße fordert, die Zollergasse bis zur Lindengasse ebenfalls zur Fußgängerzone zu machen. Sie ist die einzige Gasse im siebenten Bezirk, die direkt in die Fußgängerzone mündet.

Die Idee der Ausweitung der Fußgängerzone in die Zollergasse ist aber nicht neu. In den ersten Plänen zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße war diese eigentlich vorgesehen. Moritz Baier, Gründer der Facebook-Gruppe und Lokalbetreiber in der Zollergasse, setzt sich nun dafür ein, dass diese autofrei wird.


Die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße (gelb) und die mögliche Fußgängerzone in der Zollergasse (rot).

derStandard.at: Wie lässt sich die momentane Verkehrssituation in der Zollergasse beschreiben?

Baier: Auf jeden Fall angenehmer als vor der Umgestaltung der Mariahilfer Straße, weil die Zollergasse jetzt keine Durchzugsstraße mehr ist, sondern eine Sackgasse. Hin und wieder gibt es Autos, die nicht aneinander vorbeifahren können, aber am Abend stehen sie nicht mehr im Stau an der Ampel.

derStandard.at: Welche Leute unterstützen die Facebook-Gruppe "Fuzo Zollergasse statt Autos"?

Baier: Im Prinzip alle Geschäftstreibenden der Zollergasse und auch viele Anwohner. Es werden jeden Monat mehr Unterstützer. Auch die Menschen, die im Sommer in den Schanigärten sitzen, freuen sich darüber, wenn die Parkplätze wegkommen und mehr Tische aufgestellt werden können.

Nur rund zwanzig Anrainer, die dort 23 Stunden am Tag ihre Autos hinstellen, sind dagegen.

derStandard.at: Wie reagiert der Bezirk auf den Wunsch nach einer Fußgängerzone?

Baier: Die Idee einer Fußgängerzone in der Zollergasse kommt von den Vertretern des siebenten Bezirks. Das Problem ist, dass es sehr viele Autos gibt. Durch die Neugestaltung der Mariahilfer Straße sind einige Parkplätze weggefallen, und jetzt wird wegen der 20 restlichen Parkplätze in der Zollergasse rumgeheult.

Am Ende kann man es nicht allen recht machen. Es braucht eine intelligente Lösung, und die liegt aus meiner Sicht auf der Hand: Auf nur einem Parkplatz können bis zu 20 Fahrräder abgestellt werden.

derStandard.at: Das heißt, Sie halten eine künftige Fußgängerzone in der Zollergasse für realistisch?

Baier: Ja, weil sich das auch der Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger von den Grünen wünscht. In keinem anderen Bezirk stehen die Zeichen für eine Fußgängerzone besser als hier in der Zollergasse.

Die Mariahilfer Straße ist eine große Kommerzstraße. Das ist schön und gut, aber die wirklichen Grünen sitzen eher in der Zollergasse im Schanigarten, als auf der Mariahilfer Straße einkaufen zu gehen. Wenn es darum geht, etwas für den Bezirk zu machen, finde ich die Fußgängerzone in der Zollergasse sinnvoller.

derStandard.at: Sind Sie enttäuscht, dass die Zollergasse - anders als zuerst angekündigt - doch keine Fußgängerzone geworden ist?

Baier: Es hat mich nicht gewundert. Bei der Mariahilfer Straße sind beide Seiten um vieles umgefallen. Die einen wollen gar keine Fußgängerzone, die anderen wollen eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße und der Zollergasse. Die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße ist bis jetzt aber nur eine Probephase, und die will ich nicht schlechtreden.

Die wirklichen Umbauarbeiten beginnen erst nächstes Jahr. Uns ist wichtig, dass man in der momentanen Probe- und Planungsphase nicht auf die Zollergasse vergisst, von der man immer geredet hat.

derStandard.at: Worin sehen Sie die größten Probleme für die Fußgängerzone in der Zollergasse?

Baier: In Österreich will man es oft allen recht machen. Beispiele dafür sind das Tabakgesetz in Lokalen oder der 13A in der Mariahilfer Straße. Das war ein kompletter Blödsinn. Man muss sich vieles überlegen, und ich habe Angst, dass die Energie bei den Leuten schon ein bisschen draußen ist. Dass dann aufgrund der Wiener Gemütlichkeit gesagt wird: "Na gut, passt schon, lassen wir es halt so." Nun ist das 13A-Problem gelöst, und niemand redet dann mehr von der Zollergasse.

derStandard.at: Sollte man in der Fußgängerzone auch Rad fahren dürfen?

Baier: Meiner Meinung nach sollte es in der Mitte der Straße einen baulich getrennten Radweg geben. Im Schritttempo zu fahren bringt niemandem etwas, und die alternative Route in der Burggasse ist eher lebensgefährlich. Es gibt aber sicher Experten, die das besser wissen.

Mir geht es aber vor allem um die Autos, weil die wirklich nicht mehr zeitgemäß sind. Es ist kein Geheimnis, dass der motorisierte Individualverkehr in einer Millionenstadt Schnee von gestern ist.

derStandard.at: Wie wollt ihr jetzt weiter auf euer Anliegen aufmerksam machen?

Baier: Wir wollen gesehen werden. Ich erwarte mir kein großes Echo, denn letztlich geht es um eine kleine Sackgasse. Gleichzeitig erwarte ich mir deswegen, dass es keiner großen Revolution bedarf, hier eine Fußgängerzone zu machen. Aber je weniger wir das Gefühl haben, gehört zu werden, desto lauter werden wir. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 11.12.2013)


Moritz Baier ist Gründer der Facebook-Gruppe "Fuzo Zollergasse statt Autos". Er betreibt in der Zollergasse das Lokal Liebling und das Geschäft useabrand.

"Fuzo Zollergasse statt Autos" auf Facebook

  • Die Zollergasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk soll eine Fußgängerzone werden. Das wünschen sich Geschäftstreibende vom Bezirk.
    foto: michael kranewitter, wikipedia, cc-by-sa 3.0/at

    Die Zollergasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk soll eine Fußgängerzone werden. Das wünschen sich Geschäftstreibende vom Bezirk.

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