Gebärmutterhalskrebs: Studie ortet Mängel bei PAP-Abstrich

10. Dezember 2013, 13:39
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Keine durchgehende Qualitätskontrolle für zytologische Früherkennungsmethode in Österreich - Sozialmedizinerin: "Bisherige Selbstkontrolle unzureichend"

Graz - Zellveränderungen am Gebärmutterhals können zu Krebs führen. Um dies frühestmöglich zu erkennen, wird in Österreich seit den 1970er-Jahren der klassische zytologische Abstrich empfohlen. Mängel bei der Sicherung der Qualität und Beurteilung der Abstriche ortet eine Studie der Medizinischen Universität Graz. Sozialmediziner wünschen sich eine verpflichtende systematische Qualitätssicherung.

Rund 50 Prozent der 20- bis 69-jährigen Frauen in Österreich lassen den PAP-Test mehr oder minder regelmäßig beim Gynäkologen durchführen, schilderte Sylvia Groth, Leiterin des Frauengesundheitszentrums Graz. Dabei wird zur Früherkennung des Zervixkarzinoms Zellmaterial vom Gebärmutterhals entnommen und im zytologischen Labor ausgewertet.

Abstrich- und Befundqualität

"Voraussetzung zur zuverlässigen Feststellung von Veränderungen der Zellen ist, dass die Gynäkologen die Zellen richtig abstreichen und diese im Labor zutreffend beurteilt werden", so Groth. Sie bemängelte: "Es gibt aber keine durchgehende Qualitätskontrolle für den PAP-Abstrich in Österreich."

Diesen Mangel illustriert die vorgelegte Studie, in der die Abstrichqualität der Gynäkologen und die Befundungsqualität von 15 Labors über einen längeren Zeitraum analysiert wurden. Bei der Analyse der Daten aus den Jahren 2004 bis 2008 wurden qualitative Mängel sowohl bei der Abnahme durch Frauenärzte als auch bei der Befundung durch die Labors festgestellt. "Beides reduziert die Aussagekraft über das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein veränderter Zellen", sagte Studienkoautorin Eva Rasky.

Sanktionen bei Nichteinhaltung

Die Studie zeige, dass die in Österreich betriebene bisherige freiwillige Selbstkontrolle "als alleiniges Instrument der Qualitätskontrolle unzureichend" sei: "Nicht alle Labors nehmen teil und nicht alle Teilnehmer senden jedes Jahr ihre Daten", kritisierte die Sozialmedizinerin. Sie fordert von Seiten des Gesundheitsministeriums verbindliche Vorgaben zur Qualitätssicherung sowie Sanktionen bei Nichteinhaltung. Als dringlich bewertete sie die "verpflichtende Weiterbildung, was die Abnahme und Beurteilung betrifft".

Rasky rät Frauen trotz der unbefriedigenden Qualitätssicherung zum PAP-Abstrich: "Ich halte es für sinnvoll, dass vor allem Frauen, die noch nie oder vor vielen Jahren einen Abstrich abnehmen ließen, sich untersuchen lassen. Gebärmutterhalskrebs ist ein sexuell übertragbarer Krebs, der früh erkannt werden kann und sehr gute Behandlungschancen hat". Das Frauengesundheitszentrum Graz empfiehlt Frauen, ihre Abstriche nur in Laboren auswerten zu lassen, die zumindest an der freiwilligen Selbstkontrolle teilnehmen. Weiters sollte immer eine schriftliche Vorlage des Ergebnisses eingefordert werden. (APA/red, derStandard.at, 10.12.2013)

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