In Leder gegossen

10. Dezember 2013, 18:12
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Hilfe, wann hat das denn ein Ende? Die Lederhose will einfach nicht weg vom Fenster. Warum bloß? Vielleicht weil einige Modevorbilder eine verdammt gute Figur in ihr machen

Eine, die sogar in Lederhose gut aussieht, ist die Französin Emmanuelle Alt. Zugegeben: Die muss es ja können, denn sie ist seit fast zwei Jahren Chefredakteurin der französischen Vogue. Den Beweis für ihren untrüglichen Modeinstinkt tritt Madame Alt regelmäßig während der Modewochen an, denn dann läuft sie zu Hochform auf.

Sie schart ihre Gang um sich, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Ihre Wiedergängerinnen, die Mitglieder des französischen Redaktionsteams, allesamt elegante schmale Zahnstocher auf High Heels, werden die "Voguettes" genannt. Und man darf ruhig zugeben: Die französischen Zahnstocher machen modisch nicht viel falsch. Wie auch? Schwarz an schwarz kann schon mal nicht in die Hose gehen. Dazu Endlosbeine, High Heels, zerzaustes Langhaar.

Kurz und gut: Die Zahnstocher bleiben der Blattlinie treu und sehen aus wie einer Modestrecke der, natürlich, Vogue entlaufen. Und die Lederhosen? Machen bei ihnen gerade, ganz wichtig, knapp über dem Knöchel halt. Manchmal schlüpfen Emmanuelle und ihre Doppelgängerinnen sogar in Modelle, die um die Hüfte herum abenteuerlich in Falten liegen. Daneben sieht das trotzdem nicht aus, denn sie werden mit derselben Beiläufigkeit wie die hautengen Jeans, die Alltagsuniform der Vogue-Chefin, getragen. 

"Speckschwartengefahr"

Trotzdem, an den Voguettes mögen die in Lederhosen gegossenen Endlosbeine ja lässig aussehen. Ganz so einfach ist das aber nicht nachzumachen. Leder kann nämlich schnell nach Speckschwarte aussehen. Das führen die Boulevardblätter regelmäßig vor, wenn das Blitzlicht der Fotografen wieder einmal echte und weniger echte Lederleggings abschießt. Und das tun die Paparazzi nicht erst seit gestern.

Im Aufspüren vakuumverpackter Lederbeine sind sie mittlerweile ziemlich routiniert. Der Wahnsinn brach nämlich schon um 2008 herum los. Damals brachte Alexander Wang, der New Yorker Newcomer, und das Modehaus Balmain die Lederhose auf den Laufsteg. Ein Ende? Trotz der einschlägigen Abschussbilder speckiger Lederhosenbeine nicht in Sicht.

Die letzte Kooperation von H&M und der französischen Modedesignerin Isabel Marant kam zum Beispiel auch nicht ohne ein seitlich geschnürtes Exemplar aus. Das ist mittlerweile nur noch auf Ebay zu haben. Allgemein aber gilt: Einfach mal ausprobieren. Kann ja nicht arger aussehen als am Terminator oder den Chippendales. Denn merke: Zu viel Action hat der Lederhose noch nie gut getan. (Anne Feldkamp, derStandatd.at, 10.12.2013)

>> Eine Auswahl aktueller Modelle

  • Die Kooperation von H&M und der französischen Modedesignerin Isabel Marant kam nicht ohne ein seitlich geschnürtes Exemplar aus: Hier Model Julia Frauche bei der Präsentation der Kollektion in Paris.
    foto: apa/epa/laurent

    Die Kooperation von H&M und der französischen Modedesignerin Isabel Marant kam nicht ohne ein seitlich geschnürtes Exemplar aus: Hier Model Julia Frauche bei der Präsentation der Kollektion in Paris.

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