Robohand: Die Open-Source-Handprothese aus dem 3D-Drucker

10. Dezember 2013, 18:45
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Gibt Greiffähigkeit zurück, Kosten drastisch reduziert

Weil klassische Prothesen zu teuer waren, begab sich Paul McCarthy vor zwei Jahren auf die Suchen nach Alternativen für seinen Sohn Leon. Dieser wurde mit stark verkümmerten Fingern an der linken Hand geboren. McCarthy stieß im Internet schließlich auf das Projekt "Robohand", berichtet CBS.

Robohand entstand aus einem Video, in welchem der in Bellingham lebende Ivan Owen das Design einer mechanischen Hand präsentierte, die sich mit Bauteilen aus dem 3D-Drucker fertigen konnte. Entwickelt hatte er es gemeinsam mit Richard Van As, einem Zimmermann aus Südafrika, der 2011 bei einem Kreissägen-Unfall vier Finger verloren hatte und heute dank der Erfindung weiter in seinem Beruf tätig ist.

Mechanik statt Myoelektrik

Das Design nutzt dabei nicht elektrische Signale durch Muskelkontraktionen im Arm, sondern mechanische Bewegungen des Handgelenks, um die Hand zu schließen. Eine Operation ist für die Verwendung nicht nötig. Die Entwicklung wurde auch mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo finanziert.

Wesentlich geringere Kosten

Dass die Bauteile aus einem 3D-Drucker kommen und die Pläne Open Source sind, macht Robohand zu einem echten Do-It-Yourself-Projekt, das sich einfach an individuelle Bedürfnisse anpassen lässt. Die Herstellungskosten werden vom Times Magazin mit rund 500 Dollar beziffert, biomechanische Alternativen kosten mehrere zehntausend Dollar, sind in Sachen Motorik aber natürlich ausgereifter.

Dies macht besonders bei Kindern, die binnen eines Jahres ihren Prothesen entwachsen, einen großen Unterschied. In der Selbstherstellung sind Investitionen in einen geeigneten 3D-Drucker und das Material – verwendet werden sollte orthopädisches Polyethylen – notwendig. Ist das Druckgerät – der Kostenpunkt liegt hier bei etwa 2.000 Dollar – einmal angeschafft, bewegen sich die Materialkosten pro Robohand im zweistelligen Bereich. Wer mit 3D-Druck umgehen kann, kann die Bauteile einfach anpassen und in benötigter Größe nachproduzieren.

Archaisch, aber effizient

Die Konstruktion mag archaisch aussehen, ermöglicht aber zuverlässig Greifbewegungen auszuführen und schenkt damit wichtige Bewegungsfreiheit zurück. Als Vorstufe zu Robohand war einst ein mechanischer Finger entwickelt worden. Mittlerweile gibt es mit Roboarm auch die Möglichkeit, auch Menschen ohne Unterarm Greiffähigkeiten zurück zu geben.

Owen und Van As, der das Robohand-Projekt alleine weiterführt, gehen mittlerweile getrennte Wege. Beide verfolgen jedoch das Ziel, den künstlichen Handersatz möglichst vielen Betroffenen zugänglich zu machen.

Essen, Trinken, Fahrradfahren

Für Leon McCarthy eröffnete die Prothese wieder die Möglichkeit, seine Hand in vielerlei Hinsicht wieder verwenden zu können. Neben alltäglichen Aufgaben wie Essen und Trinken kann er dank der gedruckten Prothese etwa wieder Radfahren. (gpi, derStandard.at, 10.12.2013)

Video: CBS Robohand

  • Die Robohand lässt Menschen ohne Hand wieder greifen.
 
    foto: robohand

    Die Robohand lässt Menschen ohne Hand wieder greifen.

     

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