Die Zukunft ist: Weniger - Journalismus hilft bei Informationsüberflutung

Blog10. Dezember 2013, 14:30
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Bewertung, Selektion, Zusammenfassung, Kategorisierung von Information unterscheidet Journalismus vom Netzrauschen - und wie für Entschlackungs-Kuren werden Konsumenten bereit sein, dafür zu bezahlen

"Gibt es irgendwo auf der Welt ein Entkommen vor diesen Schwärmen neuer Bücher?", verzweifelte Erasmus von Rotterdam. Übersetzt in die Gegenwart: "Kann mich irgendwer vom Information Overload befreien?" So schlimm steht's, dass uns Medienprofessorin Miriam Meckel gar im digitalen Fegefeuer wähnt.

Zu viel von allem

GfK international führt in seinen Tech Trends "Information Overload" als einen der zentralen sechs Trends des Jahres. Und macht einen ganz starken Bedarf an gezielter und ausgewählter Information aus. Es habe keinen Sinn mehr, am lautesten und am öftesten zu schreien, schließt GfK. Ein Indiz: (Zumindest die Debatte um) Konsumverzicht wird immer trendiger.

Was heißt das für Journalismus? Nach Slow Food jetzt Slow News? Jedenfalls nicht täglich von Allem im Überfluss. Oder, wie der "Schweizer Tagesanzeiger"-Kolumnist Constantin Seibt sagt: "Die Hälfte der täglich publizierten Texte fällt in die Kategorie: eigentlich Bullshit. Journalisten sollten das lassen." Besser gezielt gerade genug vom Besten. Zum Beispiel eine Informationsdiät, wie sie die "New York Times" mit ihren "need to know"-Kompilationen ankündigt.

Reduktionskost

Welche schlauen Angebote es auch sein mögen, ein Prinzip hat sich bewährt: Bewertung, Selektion, Zusammenfassung, Kategorisierung von Information unterscheidet Journalismus vom Netzrauschen - und wie für Entschlackungs-Kuren werden Konsumenten bereit sein, dafür zu bezahlen.

"Selling more stuff" kann, wie letztens beschrieben, eine gute ökonomische Strategie für Medienunternehmen sein. Doch bewusste Reduktionskost auch. (Daniela Kraus, derStandard.at, 10.12.2013)

  • "Information Overload" ist einer der zentralen Trends des Jahres.  
    foto: reuters/kacper pempel

    "Information Overload" ist einer der zentralen Trends des Jahres.  

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