Wien wird zum Seriensieger

Blog10. Dezember 2013, 03:05
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Die Capitals pirschen sich an die Tabellenspitze heran, Innsbruck taumelt in Richtung Keller. Die Eishockey-Woche im Überblick.

Das Team der Stunde in der Erste Bank Eishockey Liga kommt aktuell aus Villach: Der VSV feierte zuletzt neun Siege in Folge, nur ein Mal seit der Liganeugründung im Jahr 2000 dauerte ein Winning Streak der Adler länger, zwischen 28. September und 4. November 2001 gelangen elf Erfolge am Stück. In der Tabelle hat sich das Team von Hannu Järvenpää damit auf Platz zwei nach vorne gearbeitet, 14 Spieltage vor der Teilung der Liga in Platzierungs- und Qualifikationsrunde liegt man bereits elf Zähler über dem ominösen Strich.

Spielerisch nicht berauschend, aber effektiv

Siege in Serie feiern aktuell auch die Vienna Capitals, der Vizemeister punktete in jeder seiner jüngsten sechs Partien doppelt - Bestwert in der "Ära Samuelsson". Zwar überzeugt das mit reichlich individueller Klasse gesegnete Team spielerisch nach wie vor nur selten, meist reicht jedoch eine stabile Defensivleistung, um Siege einzufahren. Während der aktuellen Erfolgsserie lagen die Capitals nur in gut 22 der knapp 361 gespielten Minuten in Rückstand.

Basis für Siege sind meist frühe Führungstreffer: Gelingt Wien das 1:0, gewinnt man in 81 Prozent der Fälle auch das Spiel, erzielt der Gegner das erste Tor, liegt dieser Wert nur bei 40 Prozent. Das geschickte Verwalten von Vorsprüngen zählt also wie schon im Vorjahr auch in der laufenden Saison zu den Kernkompetenzen der Capitals. Die zentrale Herausforderung der kommenden Wochen wird es sein, das Defensivspiel trotz personeller Sorgen auf hohem Niveau zu halten: Patrick Peter verstärkt das U20-Nationalteam bei der WM, mit Peter Schweda, Justin Fletcher und Philippe Lakos sind zudem drei Verteidiger verletzt. Der Letztgenannte wurde zudem vor dem Ende der Try-Out-Phase abgemeldet, um ihn ins Team zurückzubringen, wird sich der Klub von einem Spieler trennen müssen.

Gegentorlawine im Startdrittel

Das Kontrastprogramm zur Stabilität der Wiener Defensive wird auch in diesem Spieljahr in Innsbruck aufgeführt. Die Haie kassieren im Schnitt 4,19 Gegentreffer pro Spiel, deutlich mehr als etwa der Tabellenletzte aus Ljubljana (3,69). Größtes Problem der Mannschaft von Trainer Daniel Naud sind frühe Rückstände: Alleine in den ersten Spielabschnitten schlug es im Kasten der Tiroler bereits 57 Mal ein, bei allen anderen elf EBEL-Teams liegt die Anzahl der Gegentore im Auftaktdrittel zwischen 13 (Wien) und 35 (Ljublana). In der Regel biegt Innsbruck schon beim ersten Gegentreffer auf die Verliererstraße ein. In 22 der 30 Saisonspiele kassierte man das 0:1, 19 davon gingen in der Folge auch verloren.

Insgesamt verläuft in der Olympiastadt auch das zweite Jahr nach der Rückkehr in die Liga enttäuschend. Hielt man nach acht Spielen noch bei einer ausgeglichenen Bilanz, hagelte es seitdem Niederlagen, nur bei drei der jüngsten 22 Auftritte verließen die Haie das Eis als Sieger. Die in der Vorwoche fixierte Verpflichtung von Routinier Jeff Ulmer macht zwar Innsbrucks Offensive stärker, im Abwehrverhalten ist das Team jedoch so weit vom unteren Ligadurchschnitt entfernt, dass der "Tiroler Weg" auch heuer nicht in die Play-Offs führen wird.

Leistungen von Goalies messbar machen

Schon vielfach wurde in diesem Blog die ob der vorsintflutlichen Erhebungsmethoden weitestgehende Belanglosigkeit der Fangquote von Torhütern in der EBEL diskutiert. Die von den Scorekeepern, besetzt durch den jeweiligen Heimverein, erfassten Torschussstatistiken zielen teilweise so weit an der Realität vorbei, dass in den letzten Wochen zwei Klubs sogar so weit gingen, Videobeweise für falsche Zählungen vorzulegen und nachträglich entsprechende Korrekturen zu erwirken. In Ermangelung aussagekräftiger Savepercentages hat sich in den letzten Jahren der Gegentorschnitt eines Torhüters (GAA) als wichtigste statistische Kennzahl zur Bewertung seiner EBEL-Leistungen etabliert.

Problematisch dabei ist, dass dieser dem individuellen Goalie zugeschriebene Wert auch maßgeblich von der Qualität seiner Vordermannschaft abhängt. Für die Analyse sinnvoll erscheint daher eine Bereinigung des Gegentorschnitts um verzerrende Faktoren, wie beispielsweise die sehr unterschiedlichen Leistungen der Mannschaften in den speziellen Spielsituationen von Unter- und Überzahl.

Die hier dargestellte Reihung aller Torhüter mit bisher mindestens zehn Saisoneinsätzen basiert daher nur auf der Einbeziehung von Spielsequenzen mit einer ausgewogenen Anzahl an Akteuren am Eis (rund 76 Prozent der im Saisonverlauf gespielten Zeit). Die Aussparung der Spielsituationen bei numerischem Ungleichgewicht ermöglicht einen klareren Blick auf die Leistungen der Goalies. Berücksichtigt man die Unzulänglichkeiten in der Erhebung der offiziellen Schussstatistiken, ist der Even Strength-Gegentorschnitt aktuell wohl der aussagekräftigste Wert, um einen Torhüter in der EBEL bewerten zu können.

Blaues Talent wird rot

Für einiges Aufsehen in der Eishockeyszene sorgte der am Wochenende bekannt gewordene Wechsel von Villachs Nachwuchstormann Thomas Stroj zum Lokalrivalen nach Klagenfurt. Der U18-Nationalteamtorhüter verlässt die an Output effektivste Goalie-Talenteschmiede Österreichs und spielt fortan, ausgestattet mit einem monatlichen Gehalt, für die Juniorenteams des Rekordmeisters.

Stroj, von den Anlagen her einer der drei stärksten Schlussmänner der Jahrgänge 1994 bis 1998 im Lande, sieht beim KAC "größere Chancen auf eine spätere Profikarriere". Der letzte Nachwuchsgoalie, dem bei den Rotjacken der Sprung in die Kampfmannschaft gelang, war Hannes Enzenhofer zu Beginn des letzten Jahrzehnts.

Weitere Themen der Woche: Székesfehérvár übersiedelt für seine beiden Heimspiele am kommenden Wochenende gegen Salzburg und Klagenfurt nach Budapest, wo die Ungarn die beiden einzigen Freiluftspiele dieser EBEL-Saison veranstalten. Schon zwei Tage zuvor, am Mittwoch, treten die Klubchefs der Liga zu ihrer turnusmäßigen Konferenz zusammen, es ist damit zu rechnen, dass sie dabei die Beibehaltung der Punkte- und Kaderregel für die kommende Saison beschließen. Bei den finanziell arg gebeutelten Drachen aus Ljubljana wurde in der Vorwoche mit Ditka Maučec die Marketingdirektorin des Hauptsponsors zur neuen Präsidentin gewählt. Auch die Positionen ihrer Stellvertreter wurden umbesetzt, das operative Management bleibt - zumindest vorerst - in Händen von EBEL-Vizepräsident Matjaž Sekelj. Erste Erfolgsmeldung für die neue Klubführung: Am Montag konnten den Spielern die überfälligen Novembergehälter ausbezahlt werden - ein erster, kleiner Schritt. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 10.12.2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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