Wie viele Geschenke sind genug?

9. Dezember 2013, 17:00
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Eltern, die beim Brief ans Christkind mithelfen, können die "Herzenswünsche" ihrer Kinder besser herausfiltern

Wie viele Geschenke sind genug? Wie groß sollen sie ausfallen? Oder gilt: Weniger ist mehr? Fragen, die sich wohl die meisten Eltern vor Weihnachten stellen – abgesehen von jener, was das alles kosten darf. Die Wunschliste der Kinder ist jedenfalls lang. Genau hier, sagt Psychologin Andrea Platzer, gehöre schon angesetzt: "Gerade Weihnachten bietet die Möglichkeit beim gemeinsamen 'Christkindbrief' schreiben, hinzuhören, welche Wünsche dem Kind wirklich wichtig sind und was sogenannte Herzenswünsche sind." Bei der Frage, was sich das Kind bereits seit längerem wünscht, rät Platzer lenkend einzugreifen.

Das Geschenk sollte natürlich auch "altersangemessen sein und den Fähigkeiten des Kindes entsprechen". Allzu Nützliches sollte nicht geschenkt werden, sagt ihre Kollegin, die Kinderpsychologin Claudia Rupp, außer es handle sich "um einen besonderen Pulli oder so". Denn eigentlich "soll das Geschenk schon etwas sein, was sich das Kind wirklich auch wünscht". 

380 Euro für Geschenke

Aber wie viele Packerl sind angemessen? Eine konkrete Anzahl der Geschenke zu benennen, sei schwierig, da man das Alter des Kindes und die Art der Geschenke berücksichtigen müsse, sagt Platzer. Im Durchschnitt geben die Österreicher und Österreicherinnen heuer 380 Euro für ihre Weihnachtsgeschenke aus, das hat das Marktforschungsinstitut GfK Ende November erhoben. Nach Gutscheinen (50 Prozent) liegen auch schon Spielwaren (43 Prozent) auf der Beliebtheitsskala (gefolgt von Büchern mit 42 Prozent).

Also was tun? Psychologin Platzer hält ein "größeres Hauptgeschenk für sinnvoll, an dem sich vielleicht auch mehrere Verwandte beteiligen, und einige wenige kleinere". Was dann nach der Bescherung am Heiligen Abend nicht fehlen dürfe, sei Zeit: Man müsse "sich die Zeit nehmen, die Geschenke mit dem Kind nicht nur auszupacken , sondern auch dabei zu helfen, sie aufzubauen, wenn es sich zum Beispiel um eine Bahn oder Spielzeuglandschaft handelt". Hier landet man rasch bei einem grundsätzlichen Problem. Denn Zeit ist für Platzer generell ein "großes Thema" bei der Entwicklung der Kinder: Damit sei aber "nicht stundenlang gemeint, sondern regelmäßig eine halbe Stunde, in der man nicht ans Handy geht oder andere Dinge schnell mal nebenbei erledigt, sondern dem Kind zuhört, vorliest oder spielt."

Packerln aufteilen

Wenn doch alle schenken wollen? Kinderpsychologin Rupp, warnt vor einer Überforderung vor allem bei kleineren Kindern. "Wenn sie den ganzen Abend nur am Auspacken sind, dann ist das nicht gut. Besser wäre es, die Kinder über mehrere Tage hinweg zu beschenken", sagt sie. Eltern sollen auch, findet Rupp, vorher festlegen, was ihre Kinder brauchen, um dann diese Wünsche etwa den Großeltern und Tanten mitzuteilen. "Das sollte doch in einer Familie möglich sein", sagt die Kinderpsychologin. Es würde "viel Frustration bei den Kindern, aber auch den Schenkern verhindern". (Peter Mayr, derStandard.at, 09.12.2013)

  • Psychologin Andrea Platzer hält ein "größeres Hauptgeschenk oft für sinnvoll, an dem sich vielleicht auch mehrere Verwandte beteiligen, und einige wenige kleinere“.

    Psychologin Andrea Platzer hält ein "größeres Hauptgeschenk oft für sinnvoll, an dem sich vielleicht auch mehrere Verwandte beteiligen, und einige wenige kleinere“.

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